Aegypten, Schatzinsel der Ueberlieferung (18,39)

von Karl Juergen Hepke

Das Niltal hat in der Geschichte der Menschheit eine ganz besondere Rolle gespielt. Auf Grund seiner geographischen Ausdehnung, die durch den ganzen noerdlichen Wuestenguertel reicht und darueber hinaus den Mittelmeerraum tangiert und sich im Sueden bis in die tropisch bestimmten Zonen erstreckt , ist es einmalig auf der Erde. Am interessantesten war aber immer der Bereich, wo sich das Niltal als ein schmales Band ueber viele Hunderte von Kilometern durch die Wueste hinzieht .

Die heisse und trockene Luft der Wueste wirkte ueber Jahrtausende konservierend auf alles was vor Raeubern geschuetzt hier lagerte. Sie erhielt Farben und Dekors in ihrem urspruenglichen Charakter und konservierte so empfindliche Dinge , wie auf Pflanzenfasern geschriebene Berichte , die an anderen Orten laengst zerfallen waeren.

Aufbauend auf diese Gegebenheiten der Natur kommt Aegypten und der aegyptischen Geschichte eine hervorragende Rolle zu. Diese Rolle wurde von den aegyptischen Priestern schon sehr frueh erkannt und getreulich ueber die Jahrtausende der aegyptischen Geschichte fortgefuehrt. Warum dies so war, und wie sich in Aegypten selbst die Menschheit entwickelte bis sie einen hohen Grad von Einsicht und Weisheit gewann, soll hier noch einmal unter diesem Aspekt kurz betrachtet werden.

Die ersten Funde von Produkten aus Menschenhand finden sich in den geologischen Schichten der fuenften Stufe von oben. Es sind Handbeile aus Feuerstein, die den Beilen aus den europaeischen Abbeville Funden aehnlich sind. Skelettreste aus dieser Zeit gibt es nicht. Wahrscheinlich hat der erste Mensch des Niltals aehnlich wie der anderer Regionen ausgesehen.

In der naechsten Stufe finden sich dann Geraete aus Feuerstein, die denen des europaeischen Acheuleen entsprechen und auf den zwei untersten Terrassen fand man Spuren spaeterer Techniken, entsprechend dem Levalloisien und dem Mousterien. Auf Grund der Seltenheit dieser Funde kann man annehmen, dass sich der Mensch nur vorruebergehend und kurzzeitig am Fluss aufgehalten hat, um dort zu jagen oder zu fischen. Erst als Nordafrika begann auzutrocknen, d.h. nach der Polverschiebung von 8500 v. Chr. wurde der Fluss als Rueckzugsgebiet der Tierwelt interessanter. Den Tieren folgte dann allmaehlich auch der Mensch.

Der Schlamm der Nilschwemmen hat sicher viel vorgeschichtliches Material vernichtet und so ist es schwierig, die fortschreitende Ansiedlung des Menschen am Fluss nachzuvollziehen. Man kann aber annehmen, dass mit zunehmender Bevoelkerungsdichte in Nordafrika auch die Ufer des Nils, die wegen der immer wiederkehrenden Ueberschwemmungen nicht unproblematisch waren, immer interessanter wurden und es demzufolge auch zur Bildung von Siedlungen kam. Da es hier genug Wasser und Nahrung fuer die Haltung von Tieren in der Naehe der Siedlungen gab, ist anzunehmen , dass es auch Versuche zur Einpferchung von Wildtieren gab. Ebenfalls wurden wahrscheinlich Versuche zum Anbau von als besonders nahrhaft und nuetzlich empfundenen Wildpflanzen gemacht. Ein Problem blieben aber die periodisch wiederkehrenden Ueberschwemmungen und der damit sich immer wieder veraendernde Uferbereich des Flusses, der die Bemuehungen, am Fluss sesshaft zu werden, immer wieder zunichte machte.

 
Bei Merimde-Beni Salame am suedwestlichen Deltarand, wo der Wasserstand nicht mehr so stark schwankte und die Fluten nicht alles Geschaffene bei Hochwaser wieder vernichteten, hat man die Ueberreste eines Dorfes gefunden, die diese Annahmen stuetzen. Es bestand aus einigen aus Lehm erbauten ovalen Huetten, von denen jede nur etwa zweieinhalb mal vier Meter gross war. Das Dach sammelte das Regenwasser, das in einem in den Boden versenkten Gefaess aufgefangen wurde. In fuer das ganze Dorf gemeinsamen Behaeltern fand man die Anfaenge einer Vorratshaltung von Wildgetreidesamen. Emmer, Sandwicke und auch Gerste, wie wir sie noch heute kennen, fand man hier. Auch Flachs wurde bereits angebaut, versponnen und auf einfachen Webstuehlen zu Leinen verwoben. Die vielen Knochen wilder Tiere zeigen aber deutlich, dass die Hauptnahrungsquelle in den Ergebnissen der Jagd bestand.

Der nun langsam einsetzende Weg zu einem reicheren und entwickelterem Dasein war in dieser Zeit noch eine eindeutig inneraegyptische Angelegenheit. Einfluesse von aussen hat es offenbar bis zum Ende der vordynastischen Zeit so gut wie nicht gegeben. Das zeigt sich auch in den Grabfunden , die den Aegypter dieser Zeit fuer lange Zeit unveraendert erscheinen lassen. Er war von kleiner Gestalt, schlank , langschaedelig und dunkelhaarig. Die Maenner waren etwa einen Meter fuenfundsechzig gross, die Frauen etwa einen Meter fuenfzig. Beide waren starkknochig, aber doch von schmaechtiger Gestalt und hatten ovale Gesichter mit stark ausgepraegtem Nasenbereich, was ihnen ein fast vogelartiges Aussehen verlieh. Die Maenner waren im Gesicht und am Koerper wenig behaart und hatten auch nur einen minimalen Bartwuchs.

Die Bekleidung war sparsam, bestand aber schon aus Leinen. Als Schmuck trug man Perlenschnuere und bemalte das Gesicht, wobei die Farbe gruen besonders beliebt war. Die Geraete, die fuer Haus und Acker benoetigt wurden, fertigte man in Eigenarbeit an. Das fuer Werkzeuge mit Metallteilen benoetigte Kupfer wurde im Tauschhandel gegen Landprodukte erworben. Es wurde in offene , spaeter dann auch in geschlossene Formen gegossen und verdraengte allmaehlich die bisher verwendeten Naturprodukte Horn und Stein. Fuer den aermeren Landwirt behielten jedoch Holzwerkzeuge mit Steinspitzen oder Steinkanten noch lange ihre Bedeutung.

Die Archaeologie hat eine erhebliche Menge von Pfeilspitzen und Keulenknaeufen zutage gefoerdert. Die Skelette der fruehen Aegypter zeigen ausserdem eine hohe Rate von gebrochenen Knochen. Offenbar gab es reichlich Fehden zwischen benachbarten Ansiedlungen und Sippen, so wie es schon seit Urzeiten gewesen war. Das Bevoelkerungswachstum und der enger werdende Lebensraum erhoehten jedoch jetzt die Anzahl der kriegerischen Auseinandersetzungen. Irgendwann gab es dann auch territoriale Herrscher, die mehr als nur eine Sippe unter sich hatten und es kam zur Bildung kleiner Lokalstaaten.

Wenn der Aegypter nicht gerade gegen seinen Nachbarn in den Krieg ziehen musste, bestellte er seinen Acker. Aber auch der weitergehende Handel fing an, an Bedeutung zu gewinnen.

Die Nilkaehne, die man zu bauen gelernt hatte, versah man mit Segeln und wagte sich im Bereich des Deltas auch schon einmal auf das "grosse Gruene" ,wie das Meer genannt wurde, hinaus. Aus dem aegyptischen Landwirt und Flussschiffer wurde aber nie ein Seefahrer. Moeglicherweise verhinderte auch der Mangel an hochwertigem Bauholz im Bereich des Nils die Entwicklung von Schiffstypen, die hochseetauglich waren.

Das Meer und die Voelker, die es befuhren, blieben dem Aegypter deshalb immer fremd und unheimlich. Der Handelsverkehr nach Aegypten ueber das Meer lag deshalb schon in der Anfangszeit vorwiegend in den Haenden der Anwohner des noerdlich gelegenen Saums des Mittelmeers, die das Bauholz fuer ihre Schiffe aus den Gebirgen Palaestinas und dem Libanon bezogen. Der Handelsverkehr mit Aegypten fing nun langsam auch an, eine zunehmende Rolle zu spielen. Es kam Gold und Kupfer aus den oestlich liegenden Gebirgen am roten Meer, Elfenbein und Weihrauch aus dem fernen Sueden, Olivenoel aus Lybien und Palaestina, Zedernholz aus Kanaan, Lapislazuli und Obsidian aus den Gebirgen Irans und aus Anatolien. Mit dem Handel kamen auch kulturelle Einfluesse und so aehnelten sich die Formen von Toepfen, Steinvasen und Schminkpaletten Palaestinas und Aegyptens schon erheblich.

Was wir ueber die Religion des vordynastischen Aegypters wissen, stammt aus seinen Graebern. Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode spielte offenbar eine grosse Rolle. Zunehmend aufwendiger wurden Speise und Trank, Kleidung, Schmuck, Kosmetikartikel, Waffen und Werkzeuge, die dem Toten mitgegeben wurden. Manchmal bestattete man auch getoetete Hunde mit ihrem Herren. Dies alles sollte offenbar dem Toten das angenehme Weiterleben in einer anderen Welt erleichtern.

Erst zu Anfang der historischen Zeit hoerte diese Sitte fuer den kleinen Mann auf und wurde zum Vorrecht der Reichen und Maechtigen. Mit dem zunehmenden Wohlstand des Aegypters kam auch das Beduerfnis nach Verschoenerung des Lebens. Es entwickelte sich eine nicht zweckgebundene Kunst, die sich anfaenglich noch mit Verzierung der Gegenstaende des taeglichen Lebens zufriedengibt. So wird eine Schuessel mit einer Zeichnung versehen oder bei einem Steinkrug wird die bestehende Aderung kunstvoll herausgearbeitet. Ein Krug aus Keramik zeigt ein Boot, das festlich geschmueckt den Nil hinabfaehrt.

Ueber die Ergebnisse der Kaempfe und die daraus folgende Bildung von groesseren politischen Einheiten im vordynastischen Aegypten ist fast nichts bekannt. Es ist anzunehmen, dass durch die Vergroesserung von Siedlungseinheiten und die daraus resultierenden Grenzstreitigkeiten mit den Nachbarn sich schliesslich die Notwendigkeit ergab, uebergeordnete Institutionen zu schaffen, die den ewigen Kleinkrieg der benachbarten Sippen um die Dinge des taeglichen Lebens guetlich regelten und die Macht hatten, diese Regelungen auch durchzusetzen. Diese Institutionen mussten sich dann wieder mit den benachbarten groesseren Einheiten auseinandersetzen. Das geschah in einem langwierigen Prozess, der mit Sicherheit nicht immer friedlich verlief.

Ein Problem betraf alle nach wie vor in gleicher Weise. Das waren die periodisch wiederkehrenden Ueberflutungen durch den Nil, die weite Sumpfgebiete zurueckliessen, die nur durch die Anlage von kuenstlichen Graeben und Kanaelen in brauchbares Ackerland verwandelt werden konnten. Auch die angrenzenden Gebiete konnte man bei entsprechender Planung von Kanaelen und Rueckhaltebecken bis an die Randhuegel in fruchtbares Ackerland umformen.

Wann und wodurch bewirkt wurde, dass diese Probleme und Chancen erkannt und mit wasserbautechnischer Planung angegangen wurden, ist nicht bekannt. Aber es ist vorstellbar, dass aus vielen Einzelversuchen in begrenzten Regionen die Erkenntnis wuchs, dass dieses Problem nur gemeinsam und in groesserem Massstab geloest werden konnte. Es wuchs also aus den natuerlichen Gegebenheiten der Wunsch nach einer uebergeordneten Macht, die in der Lage war die erforderlichen Planungen durchzufuehren und sie auch bei widerstrebenden Gruppen, die es erfahrungsgemaess immer gibt, auch durchzusetzen.

Der Aegypter dieser Zeit war nicht mehr der unwissende und unzivilisierte "Wilde" der Anfangszeit. Er hatte aus eigenem Antrieb gelernt, Holz, Stein und Metall zu bearbeiten. Er konnte Keramik verschiedener Qualitaet herstellen. Aus bestehenden Wildpflanzen konnte er brauchbare herausfinden und zuechterisch verbessern. Er konnte Brot backen, Bier brauen und Farben mischen. Er konnte Felder einteilen und Kanaele planen und anlegen und hatte gelernt, sich dazu mit seinem Nachbarn friedlich zu einigen. Er hatte schon frueh den Gesteinsbohrer erfunden und handhabte ihn mit grosser Geschicklichkeit. Nur die arbeitserleichternde Drehscheibe des Toepfers war ihm noch nicht bekannt, was zeigt, wie gegenueber der uebrigen Welt abgeschlossen Aegypten noch war. Aber der Mensch war reif fuer einen groesseren Sprung in der kulturellen Entwicklung und bereit Wissen und Errungenschaften aus anderen Regionen aufzunehmen, um sein Leben zu verbessern. (39)

Wenn man die eben beschriebene vordynastische Zeit auf 1800 Jahre schaetzt, das heisst etwa von 5000 v. Chr. bis 3200 v. Chr. dann ist die jetzt folgende Zeit von etwa 200 Jahren durch eine Oeffnung nach aussen gekennzeichnet. Die Einfluesse der benachbarten mesopotamischen Hochkultur werden in den Funden immer deutlicher und beweisen, dass ein Beduerfnis nach mehr Wissen und Kultur bestand.

Es gibt zylindrische Siegel eindeutig mesopotamischer Herkunft. An Bauten werden Ziegel als dekoratives Element eingesetzt, eine Idee, die sich an mesopotamischen Bauten schon lange vorher findet. Motive in der bildenden Kunst werden nach Prinzipien gestaltet, die sich auch in Mesopotamien finden. Es gibt symmetrisch aufgebaute Gruppen und Fabeltiere mit umeinander gerankten Haelsen. Kaehne auf Abbildungen zeigen mesopotamische Bauformen. Auch die Metallbearbeitung, die in Mesopotamien schon viel weiter fortgeschritten ist, wird jetzt eindeutig besser. (39)

Doch noch etwas Wichtigeres koennte in dieser Zeit aus Mesopotamien uebernommen worden sein. Es ist das Wissen um das Wesen einer Schrift und ihre Grundelemente. Die erste aegyptische Schrift, die in dieser Uebergangszeit ziemlich abrupt erscheint ,verwendet naemlich bereits das Rebusprinzip und das ist nach der geltenden Theorie der Entwicklung einer Schrift bereits die zweite Stufe. Die erste Stufe, naemlich die Verwendung einer reinen Bilderschrift, erscheint in Aegypten garnicht.

Im Rebus werden sprachlich gleichlautende Bildbegriffe zu Wortkombinationen zusammengefuegt. So wird es moeglich, auch Begriffe wiederzugeben, die selbst als Bild nicht dargestellt werden koennen. Zusammengesetzte Bildzeichen ergeben also ein Wort, das akustisch gleich klingt, aber eine ganz andere Bedeutung hat .

Die erste bekannte aegyptische Hieroglyphenschrift verwendet das Rebusprinzip und zwar in einer voll auf Aegypten abgestimmten Form. Die dargestellten Bildelemente Rechen, Pflug und Gesteinsbohrer sind eindeutig die in Aegypten verwendeten Formen dieser Werkzeuge, was beweist, dass hier nicht sklavisch sondern mitdenkend uebernommen wurde. Die neue Schrift sollte auch fuer den normalen Aegypter lesbar sein und nicht nur fuer eine kleine Zahl von Schriftkundigen. Diese weitschauende Umsetzung verhalf Aegypten zu einer raschen Anhebung des Bildungsniveaus und wurde damit zu einem wichtigen Faktor fuer die aegyptische Geschichte und darueberhinaus fuer die Geschichte der ganzen damaligen Welt.

Auch diese schnelle und verbreitete Aufnahme eines voellig neuartigen Mittels der Kommunikation und seine sinnvolle Weiterentwicklung beweist, dass das aegyptische Volk faehig und willens war, einen grossen Schritt in der kulturellen Entwicklung zu machen. Doch wer war schliesslich der Ausloeser dieses Schrittes und woher kam das neue Wissen, das Aegypten dann in relativ kurzer Zeit zu einer Hochkultur werden liess. Nach den aegyptischen Koenigslisten standen am Anfang der dynastischen Zeit Goetter. Spaeter waren es dann Menschen, die aus den von den Goettern gegruendeten Dynastien hervorgegangen waren.

Der Beginn der dynastischen Zeit, der zusammenfaellt mit dem Beginn von schriftlichen Aufzeichnungen und damit der historischen Zeit, wird von der modernen Aegyptologie auf 3100 v. Chr. festgelegt.
Dabei kann es bei Vergleichen mit anderen Zeitfestsetzungsmethoden wegen der schwierigen Umrechnung aus dem aegyptischen Kalender, der kein Schaltjahr kannte, zu Abweichungen in der fruehen Zeit von 50 oder 200 Jahren kommen. Zur Zeit des neuen Reiches betragen die Abweichungen dann nur noch 20 Jahre. Man darf sich also ueber in dieser Groessenordnung abweichende Jahreszahlen in den verschiedenen Werken der heutigen Geschichtswissenschaft nicht wundern.

Nicht ganz so unsicher ist man bei den Namen der einzelnen Herrscher. Fuer sie gibt es von den Aegyptern in Stein gemeisselte unvergaengliche Unterlagen. So gilt es als fast unumstritten, dass Narmer, der auch Menes genannt wird, Ober- und Unteraegypten zu einem Reich vereinte und damit als Begruender des aegyptischen Staates gelten kann. Auch ein Name "Skorpion" erscheint fuer diese Zeit. Er war moeglicherweise ein Vorlaeufer von Narmer, erreichte aber anscheinend noch nicht die Vereinigung der Laender. Die Gesamtzeit der Aktivitaeten von "Skorpion" und Narmer wird auf 3150 - 3050 v. Chr. datiert.

Ueber die Herkunft dieser Herrscher, die anscheinend nicht allein kamen, sondern in einer groesseren Gruppe die Macht, die hier fuer einen kulturell und wissensmaessig ueberlegenen Herrscher bereitlag, an sich rissen, herrscht Unklarheit. Von den Aegyptern selbst wurden sie spaeter zu "Goettern" erklaert, was aber wahrscheinlich darauf zurueckzufuehren ist, dass sie fuer die Aegypter voellig neues Wissen mitbrachten. Auch fuer die spaeteren Pharaonen, die grossen Wert auf ihre "Goettlichkeit" legten, war es sicher ein Vorteil,von "Goettern" abzustammen.

Wenn man einmal ausschliesst, dass es sich tatsaechlich um Ausserirdische gehandelt hat, kommen nur zwei Ursprungskulturen in Frage, in denen entsprechend grosses Wissen vorhanden war. Es ist der oestliche Bereich mit Mesopotamien als Schwerpunkt und es ist der westliche Bereich mit dem Atlantischen Reich, das in dieser Zeit sehr expansiv wird. Aus dem weiteren Verlauf der Geschichte, in dem die aegyptischen Herrscher den "Asiaten" nie freundlich gesinnt waren und mit Vorliebe mit den aus dem atlantischen Reich stammenden Herrschern paktierten, was bis zu Eheschliessungen ging, ist zu schliessen, dass sie selbst auch aus dem Westen stammten. Die von einigen Forschern angenommene Herkunft aus Mesopotamien kann deshalb ausgeschlossen werden.

Auf welchem Weg diese Gruppe nach Aegypten kam, ist ebenfalls nicht sicher belegt. Immerhin gibt es aus viel spaeterer Zeit Angaben, dass diese Gruppe und die daraus entstehende Dynastie aus Thinis in der Naehe von Abydos in Mittelaegypten stammte und deshalb Thiniten genannt wird. Wahrscheinlicher aber ist, dass diese Dynastie aus dem Bereich des atlantischen Reiches, und zwar aus Nordafrika kam und erst von spaeteren Geschichtsschreibern zu Aegyptern gemacht wurde. Der Name Thiniten koennte naemlich auch von der Goettin Thinit abgeleitet sein. Diese Goettin ist bekannt aus der Endzeit der Stadt Karthago. Sie wurde in dieser Zeit unter dem Namen Tanit zur Stadtgoettin erhoben .Es ist aber aus Funden aus der Anfangszeit des atlantischen Reiches bekannt, dass sie zu den aeltesten Gottheiten des atlantischen Kulturkreises gehoerte.

Sie ist in Karthago Himmelsgoettin aber zu gleicher Zeit auch der Erde verbundene Fruchtbarkeitsgoettin. Ihr Symbol ist das Thinit - Zeichen : ein Dreieck oder Trapez mit Stab und einer Scheibe darauf. Ihre Attribute sind Granatapfel, Feige, Aehre und Traube. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihre urspruengliche Hauptbedeutung die der Fruchtbarkeitsgoettin war. Als solche war sie fuer den agrarisch orientierten und stark expandierenden atlantischen Staat und ebenso fuer Aegypten, das nun agrarisch erschlossen werden sollte, von groesster Bedeutung.

Wie bei Herodot nachzulesen, war es in der fruehen Geschichtsschreibung ueblich, eine neu auftauchende Gruppe von Menschen nach ihrem Anfuehrer oder ihrer Leitfigur zu benennen. Es ist sehr gut moeglich, dass die mit grossartigen Plaenen und entsprechendem Machtanspruch auftretende Gruppe sich immer wieder auf ihre Leitgoettin Thinit berufen hat, was ihr dann den Namen Thiniten einbrachte.

Das fortschrittliche Wissen, das diese Herrscher mitbrachten und das den aegyptischen Staat in einem rasanten Aufstieg in relativ kurzer Zeit zu einem erstklassigen, beispielhaften Staatswesen machte, ist jedenfalls mit Sicherheit nicht in Aegypten selbst entstanden. Nach dem bereits vorher gesagten war Aegypten wohl reif fuer ein staatliches Dasein und nur noch der faktische Besitz und die Form der Staatsgewalt waren offen.

Ganz friedlich scheint die Uebernahme der Macht durch die neue Gruppe auch nicht vonstatten gegangen zu sein, jedenfalls zeigen die aeltesten Funde aus dieser Zeit - der sogenannte Skorpion - Keulenkopf und die Narmer Palette - die neuen Herrscher als Sieger ueber das Volk und einzelne Anfuehrer. Auch die Herkunft der neuen Herrscher aus dem atlantischen Kulturkreis wird auf diesen Fundstuecken deutlich. So sind zum Beispiel Kiebitze, die in der aegyptischen Hieroglyphensprache das gemeine Volk darstellen, in einem Fries auf dem Keulenkopf an Standarten aufgehaengt, die man an ihren Symbolen und Tierdarstellungen leicht als atlantischer Herkunft erkennen kann. Es soll wohl den Sieg der atlantischen Welt ueber das Volk darstellen. Ebenso deutet der Schwanz eines Opferstiers am Guertel von "Skorpion" auf den atlantischen Stierkult hin, der ja dann auch auf Aegypten uebertragen wurde.

Auch auf der Narmer Palette finden sich reichlich Symbole aus der atlantischen Welt. So wird die Vorder - und die Rueckseite von je zwei Stierkoepfen mit geschwungenen Hoernern gekroent und dem Koenig werden von Dienern vier Standarten mit moeglicherweise bereits aegyptisierten Darstellungen vorangetragen. In einem anderen Darstellungsfeld besiegt ein Stier einen niedergeworfenen Menschen und weist auch damit auf den Sieg des atlantischen Reiches ueber
den aegyptischen Menschen hin. Bemerkenswert ist auch, dass hier , wie auch auf dem vorher genannten Keulenkopf , der Koenig wesentlich groesser als die anderen Menschen dargestellt wird.
Wahrscheinlich waren die Neuankoemmlinge auch koerperlich wesentlich groesser als die relativ kleinen Aegypter. Diese Darstellungsart wurde dann zum traditionellen Bestandteil der aegyptischen Bildwerke.

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Fundort der Beweisstuecke, zu denen auch noch der Narmer Keulenkopf gehoert. Sie wurden von J. E. Quibell 1897/98 bei Ausgrabungen im oberaegyptischen Hierakonpolis , dem antiken Nechen, auf dem Westufer des Nils noerdlich von Aswan, entdeckt, und lagen in einer Grube zwischen Mauern aus der Zeit des alten Reiches und einem Tempel aus dem mittleren Reich , die als "Hauptdepot" bezeichnet wird. Hierher gelangten sie ca 1000 Jahre nach ihrer Entstehung, wahrscheinlich zum Ende des alten Reiches, das hiesse um 2000 v. Chr.

Zu dieser Zeit war Aegypten schon lange Zeit ein selbstaendiger und unabhaengiger stolzer Staat, der vielleicht nicht mehr an seine Gruender erinnert werden wollte und deshalb die Zeugnisse an sicherer , kaum zugaenglicher Stelle einlagerte, wo sie dann in Vergessenheit gerieten. Es ist aber auch moeglich, da es sich ausnahmslos um Bruchstuecke handelt, dass diese bei der Zerstoerung der Tempel durch die kosmische Katastrophe von 2180 v. Chr. infolge eines verheerenden Meteoriteneinschlags im ca. 1500 Km Tschad Gebiet entstanden sind und als jetzt nutzlos bei den Aufraeumungsarbeiten in die Grube geworfen wurden.

Dem Aegypter der Zeit um 3100 v. Chr. war die Uebernahme der Macht durch eine wissensmaessig ueberlegene Dynastie mehrheitlich sicher nicht unsympatisch. Brachte sie doch fuer die Fortentwicklung des Staates, von der auch er profitierte, Vorteile.So war er offenbar auch bereit, die umfangreichen Plaene zur Be- und Entwaesserung seines Landes, die jetzt erstellt werden konnten, aufzunehmen und sinnvoll weiterzuentwickeln. Mit der umfassenden Bewaesserung verbunden waren tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Veraenderungen, die eine groessere Bevoelkerung, groesseren Wohlstand, eine herrschende Klasse und spezialisierte Berufe mit sich brachten.

Die ersten vier Jahrhunderte der dynastischen Zeit ,das heisst die Zeit, die heute der Dynastie 1 und 2 zugeschrieben wird, war offenbar die Zeit der Etablierung des neuen und fuer die Aegypter doch ungewohnten Systems. Es musste viel Neues hinzugelernt werden und sicher gab es auch reichlich interne Probleme bis man den neuen Stil eines Staates begriffen hatte und ihn auch praktizieren konnte. Deshalb gibt es in dieser Zeit auch keine nennenswerte Veraenderung der aus der vordynastischen Zeit ueberkommenen Kultur. Wahrscheinlich waren auch die Herrscher dieser Zeit, von denen zwar die Namen , nicht aber ihre genauen Regierungszeiten bekannt sind, viel zu sehr mit dem Aufbau eines fortschrittlichen Staates beschaeftigt, als dass sie sich viel um die kulturelle Weiterentwicklung kuemmern konnten.

Soweit sie tatsaechlich ausserirdischen Ursprungs waren, wie die aegyptische Geschichtsschreibung behauptet, hatten sie wohl auch wenig Interesse daran. Das aenderte sich ziemlich abrupt mit der dritten und vierten Dynastie das heisst ab etwa 2680 v. Chr. In dieser Zeit beginnen die als typisch aegyptisch empfundenen Ausdrucksformen des nun offenbar etablierten Systems. Man koennte daraus schliessen, dass jetzt die Zeit der irdischen Herrscher beginnt, die zwar weiterhin durch Wissensuebermittlung unterstuetzt werden, aber doch die Fuehrung des Staates selbst in die Hand nehmen und damit auch das menschliche Beduerfnis nach Prachtentfaltung und Beeindruckung des einfachen Volkes entwickeln, das sie von der Masse abheben soll.

Es beginnt jetzt auch die Lehre von der goettlichen Natur des Herrschers. Auch dieses Dogma diente dazu, die Herrscher, die jetzt Menschen waren und deshalb auch menschliche Schwaechen hatten, in ihrem Anspruch auf die Herrschaft ueber das gewoehnliche Volk vor sich selbst und gegenueber anderen zu bestaerken. Sie wurden darin unterstuetzt durch eine herangebildete Priesterschaft, die sich jetzt als Trennschicht zwischen Gottkoenig und Volk schob. Dieses System, das allen fruehen Staaten gemeinsam war, war wahrscheinlich ausserirdisch installiert worden und ermoeglichte es den ausserirdischen Kulturbringern sich allmaehlich aus den irdischen Geschaeften zurueckzuziehen und sie durch von ihnen eingesetzte und beeinfluesste irdische Herrscher weiterfuehren zu lassen.

 
Wie die Ueberlieferung dieser Staaten uebereinstimmend berichtet, waren diese ersten Herrscher zum Teil auch die leiblichen Nachkommen der "Goetter". Sie waren von ihnen auf der Erde mit den Frauen des Herrscherhauses erzeugt worden und waren somit noch "Halbgoetter". Dies war offenbar auch der tiefere Grund fuer die in Aegypten praktizierte Form der weiblichen Thronfolge , die nach mutterrechtlichen Regeln erfolgte. Der Pharao, der die eigentliche Macht ausuebte, erwarb dieses Recht nur als Ehemann der "Grossen Koenglichen Gemahlin" , die der eigentliche Traeger der Erbfolge war. In der in Aegypten geuebten Praxis sicherte er diesen Anspruch oft noch dadurch ab, dass er auch noch die naechsten Traegerinnen der Erbfolge d.h. die naechstfolgende Schwester der ersten Ehefrau und die Toechter dieser Frauen zu Ehefrauen nahm.

Anfaenglich gab es dann, wie die Mythen berichten, hin und wieder noch einmal eine goettliche "Inspektion" bei denen die goettliche Abstammung durch weitere Zeugungen verstaerkt wurde und in deren Verlauf Hilfe in unloesbar erscheinenden Problemen gewaehrt wurde. Spaeter wurden die Staaten dann sich weitgehend selbst ueberlassen und die Hilfe beschraenkte sich auf Wissensuebermittlung durch Telepathie und goettliche Hinweise, deren Deutung bald eine eigene Kaste in der Priesterschaft heranwachsen liess, die der Magier, Auguren oder Haruspexe, wie sie im Bereich der atlantischen Kultur genannt wurden. Sie lasen aus Zeichen in der Natur zum Beispiel dem Vogelflug oder in der Leber von Opfertieren, ob ein beabsichtigtes Unternehmen unter guten oder schlechtem Vorzeichen stand und hatten damit die Moeglichkeit, die Politik entscheidend mit zu beeinflussen.

Fuer die Sicherung des Bestandes des neuinstallierten Staates war ein System der moralischen Verpflichtung, das sowohl fuer Herrscher wie fuer Beherrschte galt, von besonderer Bedeutung. Es war der Begriff des "ma Št" ,der nur schwer in den heutigen Sprachen wiederzugeben ist, da ein entsprechend umfassender Begriff fehlt. Er besteht im wesentlichen in der Summe von Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Ordnung und weiteren moralisch positiven Werten, die man vielleicht auch kurz in dem moralischen Sinngehalt des Wortes "gut" zusammenfassen koennte.

Wenn er sich auf die Kunst des guten Regierens bezieht, kann er mit guter Herrschaft, Regierung, Verwaltung und der Schaffung von guten Gesetzen uebersetzt werden. "MaŠt war die kosmische Kraft der Harmonie, Ordnung, Stabilitaet, Sicherheit, bei der Ur-Schoepfung als die organisierende Qualitaet aller Schoepfungsgebilde begruendet" und musste bei jedem Herrschaftsantritt eines Gott-Koenigs von ihm oeffentlich in einer aufwendigen Zeremonie gelobt werden.

Der Glaube an Leben nach dem Tode, an eine Unsterblichkeit, in der sich die besten Zuege des diesseitigen Lebens wiederfinden sollten, war ein wesentlicher Bestandteil der aegyptischen Kultur. In seiner entwickelten Form versprach dieser Glaube dem "guten Menschen" ewige Glueckseligkeit. Dieser aus der vordynastischen Zeit bereits bekannte Glauben wurde in der dynastischen Zeit anfangs vor allem auf die direkte Angehoerigen des Koenigshauses und spaeter dann auch auf hohe Beamte und Wuerdentraeger, die zum Teil nur noch sehr entfernt verwandt mit dem Koenigshaus waren, angewendet. Sicher lebte der Glaube an ein Leben nach dem Tode auch im einfachen Volk weiter fort, fand aber keinen nachvollziehbaren Niederschlag mehr in den Graebern der Menschen wie in der vordynastischen Zeit.

In welcher Form sich die Aegypter das Weiterleben nach dem Tode vorstellten, ist nur schwer zu erkennen. Die altaegyptische Sprache enthaelt mehrere Bezeichnungen fuer die nichtkoerperlichen Eigenschaften einer Person, wie den"Namen" (ka) und den "Schatten" (ba). Beide Bezeichnungen enthalten aber mehr als ihre Uebersetzungen aussagen. "Schatten" (ba) koennte man eventuell mit unserem Begriff "Seele" uebersetzen, denn er loest sich im Tode vom Koerper, verlaesst ihn aber nicht vollstaendig, sondern schwebt auf aegyptischen Darstellungen als menschenkoepfiger Vogel ueber ihm.

Dies entspricht den Berichten heutiger Menschen, die durch moderne medizinische Techniken ins Leben zurueckgerufen wurden und sich erinnern, dass sie sich in der Sterbephase ueber ihrem Koerper schwebend befanden und den Wiederbelebungsversuchen der Aerzte von oben zusahen. Offenbar hatten die Aegypter aehnliche Erfahrungen oder wussten noch mehr.

Im "ka", also im "Namen" koennte man das Kennzeichen fuer das Leben sehen, das die Seele in der Zeit, in der sie diesen Namen hat, fuehrt. Dies zur Unterscheidung von weiteren Leben, nach der Wiedergeburt, unter anderem "Namen".

In Ausmassen und technischer Vollendung erreichen die koeniglichen Graeber und grossen Pyramiden von Gisť mit der Pyramide des Cheops ihren Hoehepunkt. Von aehnlicher Groesse sind unmittelbar vor ihnen nur die Denkmaeler Snefrus und unmittelbar danach das Grabmal des Chephren. Diese Spitzenleistungen wurden in erstaunlich kurzer Zeit zuwege gebracht. Denn nur etwa fuenfundsiebzig Jahre vor der Cheopspyramide wurde als erste Pyramide die Stufenpyramide fuer den Pharao Djoser erbaut .

Die Anfangsformen der Pyramiden erinnern noch stark an die Grabhuegel, die in Westeuropa ueber den Graebern der fuehrenden Persoenlichkeiten des Staates errichtet wurden. In ihren Gaengen weisen sie die gleichen Bauformen mit Steinplatten und Kraggewoelben auf wie im atlantischen Reich. Doch in Aegypten entwickelt sich daraus etwas Neues und Eigenstaendiges, das in der Qualitaet und Groesse der Ausfuehrung die westeuropaeischen Monumente weit uebertrifft.

Am Anfang dieser Entwicklung steht ein Name, dem noch 3000 Jahre danach und erneut im heutigen modernen Aegypten tiefe Verehrung entgegengebracht wird. Es ist der Name "Imhotep". Schon zu seinen Lebzeiten hatte Imhotep die hoechsten Ehren erfahren. Er war : " Wesir des Koenigs von Unteraegypten, Erster nach dem Koenig von Oberaegypten, Grosser Haushofmeister, Inhaber der erblichen Adelswuerde , Hoherpriester von Heliopolis, Baumeister, Bildhauer und oberster Vasenhersteller ". Schon sein Vater war "Direktor des koeniglichen Bauamtes". Seine Heimat soll Oberaegypten gewesen sein und man vermutet sein Grab, nach dem aber bisher vergeblich gesucht wurde , in der Naehe des Grabes von Djoser.

In der Erinnerung der Aegypter lebt Imhotep als hervorragender Weiser und Erfinder weiter. Er war ein "Allroundgenie" beherrschte sowohl die Baukunst wie medizinische Techniken und gilt deshalb als Begruender der aegyptischen Heilverfahren und der aerztlichen Kunst. Bei den Griechen wurde er spaeter mit dem Heilgott Asklepios gleichgesetzt, von dem der "Aeskulapstab" abgeleitet ist. Dieser stellt noch heute das Wahrzeichen der aerztlichen Zunft dar.

In Aegypten existiert eine Statue, die ihn als kleinen und unscheinbaren Mann erscheinen laesst, der eine

gewisse Aehnlichkeit mit den im Kapitel "Aussehen, Herkunft und Botschaft der Ausserirdischen" beschriebenen Ausserirdischen der Art 1 hat. Auf Grund seines auch heute noch unvorstellbaren Wissens, fuer das es keine ersichtlichen irdischen Quellen gab, erscheint es nicht unmoeglich, dass es sich bei Imhotep um einen der wenigen bekanntgewordenen ausserirdischen Kulturbringer der geschichtlichen Zeit handelt. Imhotep war derjenige, der als Chefbaumeister des Pharaos die Kunst des behauenen Steins, die aus der atlantischen Zeit bekannt war, zur Vollendung brachte und dank seines Organisationstalents den Grundstein fuer die Methoden legte, die dann in den spaeteren Grosspyramidenbauten zur hoechsten Entfaltung kamen.

Bei der Djoser-Pyramide, die sein Werk war, handelt es sich bereits um die Verarbeitung von einer Million Tonnen Kalkgestein, waehrend vorher in Aegypten und auch in Westeuropa maximal einige hundert Tonnen Gestein verarbeitet wurden. Imhotep war mit der Schaffung der Stufenpyramide Djosers auch der erste, der aus der bis dahin verwandten Bauform der Graeber als sogenannte Mastaba die Bauform des ueberdimensionalen Grabhuegels in Form einer Pyramide aus Stein, gebaut fuer die Ewigkeit , machte. Diese Idee war offenbar so ueberzeugend, dass sie, aehnlich wie im Europa des Mittelalters der Bau der grossen gotischen Kathedralen, ein ganzes Volk zu motivieren vermochte, hier Baudenkmaeler zur Ehre ihres Gottes, des Pharaos, und zur Ehre ihres Volkes zu schaffen, die alles bisher dagewesene und vielleicht auch alles kuenftige, bei weitem uebertraf. Was ihnen dann ja auch gelang !

Dass diese sprungartige Entwicklung ausschliesslich inneraegyptisch gewesen sein soll , ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlich holten sich die Pharaonen aus dem Land ihrer eigenen Herkunft, den atlantischen Laendern, Baumeister, Architekten und Spitzenhandwerker, die schon lange in diesem Stil bauten und ueber entsprechende Erfahrung verfuegten.Das erklaert auch, warum nach der Schaffung der grossen Pyramidengruppe bei Gisť, der Antrieb zum Pyramidenbau nachliess, die Bauqualitaet zunehmend schlechter wurde und schliesslich der Bau von Pyramiden in Aegypten ganz aufgegeben wurde. Die geschaffenen Bauwerke reichten aus, den Ruhm Aegyptens bis in alle Ewigkeit zu verkuenden und man brauchte dem nichts mehr hinzuzufuegen.

Dennoch ist dieses genannte Motiv , das sicher auch eine Rolle spielte, nur eine unzureichende Erklaerung dafuer, warum und wofuer diese riesigen, die ganze Kraft eines Volkes fuer Jahrzehnte in Anspruch nehmenden Bauten errichtet wurden. So gut wie sicher ist, dass es nicht nur Grabmaeler fuer bestimmte Koenige sein sollten. Dafuer gab es vorher und nachher einfachere und bessere Loesungen.

Eine noch nicht bestaetigte aber auch nicht zu widerlegende Theorie sagt, dass die Pyramiden , die etwa im Zentrum der damals bekannten westlichen Welt, auf halbem Weg von Iberien nach Indien liegen, tatsaechlich als Mittelpunkt der zivilisierten Welt angelegt wurden und als Aufbewahrungsstaette besonders wertvoller Dokumente im Falle einer schweren kosmischen Katastrophe dienen sollten.

Darueberhinaus hat sich beim genauen Vermessen der Cheops Pyramide herausgestellt, dass ihre Abmessungen und ihre Ausrichtung allein schon zeigen, dass ihre Erbauer hohe Kenntnisse von Mathematik und astronomischen Daten hatten.

Den Versuchen , mit Hilfe von Schallwellen und elektromagnetischer Strahlung ihre innere Struktur zu erkennen, haben sie bisher erfolgreich widerstanden. Ein dahinzielender Grossversuch, der von der En-Shams Universitaet von Kairo mit Hilfe eines Grosscomputers der IBM unternommen wurde, musste ergebnislos abgebrochen werden, da er von Tag zu Tag wechselnde Ergebnisse brachte, die in keine logische Beziehung zueinander zu bringen waren (2a) Vielleicht hatten auch die Pharaonen vor, sich in dem Fall einer schweren kosmischen Katastrophe in die zugaengliche Cheops Pyramide zurueckzuziehen. Die Pyramiden haetten also den Zweck erfuellt, den heute die atombombensicheren Regierungs- und Befehlszentralen in der ganzen Welt haben. Nur diese heutigen Anlagen sind einer schweren kosmischen Katastrophe durchweg nicht gewachsen, die aegyptischen Pyramiden hingegen waeren es, wenn sie nicht gerade direkt getroffen wuerden. Ihre Bauart kann als absolut erdbebensicher bezeichnet werden, von den grossen Ozeanen sind sie weit entfernt und liegen dazu auf einem Hochplateau; Regenfaelle sind in Aegypten aeusserst selten und das Wasser koennte auch ohne Probleme durch den Nil ablaufen; die Klimazone in der sie liegen ist klimatisch so beguenstigt, dass auch im Fall einer Jahre andauernden zusammenhaengenden Wolkendecke und der damit verbundenen Abkuehlung des Klimas hier wieder zuerst die Sonne scheinen wuerde.

Diese Aspekte scheinen dem Menschen von heute weit hergeholt, wenn nicht sogar unsinnig. Das liegt aber nur daran, dass in unserer, relativ kurzen, bisher von der Geschichte erfassten Zeit ein solcher groesserer kosmischer Zwischenfall nicht bekannt ist. Der aegyptischen Fuehrungsschicht war aber durch ihre Herkunft aus dem atlantischen Reich mit Sicherheit die grosse Katastrophe von 8500 v.Chr. mit ihren fuer die ganze Erde verheerenden Auswirkungen bekannt. In ihr war die sagenhaft hohe Kultur ihrer Vorfahren zugrundegegangen und es ist gut vorstellbar, dass sie einer Wiederholung des gewaltigen Kulturverlustes, der damals eingetreten war, vorbeugen wollten. Es gab dann auch in der Geschichte des alten Aegyptens bis zur Zeitenwende zwei schwere kosmische Zwischenfaelle. Der erste davon , der nach der bisher vorliegenden Datierung seines Kraters etwas vor dem Jahr 2180 v. Chr. und damit nur etwa 500 Jahre nach der Fertigstellung der letzten der drei grossen Pyramiden im Gebiet von Aorounga im Tschad, also an der Grenze der suedlichen Sahara - und damit garnicht weit von Aegypten - stattfand, duerfte in Aegypten den ersten schweren Schock ausgeloest haben und war moeglicherweise mit der Grund fuer den Untergang des alten Reiches, der auf 2181 v. Chr. datiert wird.

Der Meteorit, der diesen kosmischen Zwischenfall verursachte, schlug einen Krater von 12,8 Km Durchmesser. Seine Energie duerfte nach den heutigen Kenntnissen derartiger "Impakte" , das heisst Meteoreinschlaege mit Kraterbildung , bei einigen Millionen Hiroshima - Bomben gelegen haben. Damit wurde alles Leben im Umkreis von hunderten von Kilometern mit Sicherheit vernichtet, aber auch in dem im Mittel etwa 1500 Km entfernten Aegypten duerften schwere Schaeden durch Erdbeben und Sandstuerme entstanden sein. Darueberhinaus verursacht eine derartige Explosion eine Veraenderung des Klimas, die oft viele Jahre andauert und in Aegypten sicher auch zu Aenderungen in den fuer das Land lebenswichtigen Nilschwemmen und damit zu Hungersnoeten gefuehrt hat.

Dabei ist Aegypten aber noch gut davongekommen, denn waere der Einschlag mit einer Zeitverschiebung von nur etwa einer Minute geschehen , dann waere das obere Niltal voll getroffen worden, was sicher zum sofortigen Tod von Millionen von Menschen und moeglicherweise zum Untergang der gesamten aegyptischen Kultur gefuehrt haette. Dabei ist auch die psychologische Wirkung einer derartigen kosmischen Katastrophe zu beachten. Da im atlantischen Reich und damit auch in Aegypten die Wissenschaft von den Sternen einen hohen Stand hatte, ist wahrscheinlich, dass dieses kommende furchtbare Ereignis - lange bevor es die Menschen zunehmend bedrohlich und unausweichlich auf sich zukommen sahen - von den Sternkundigen vorausgesagt worden war. Und diese Voraussage koennte im Bereich des atlantischen Reiches , zu dem ja auch Aegypten zu dieser Zeit noch gehoerte, zu dem gemeinsamen Entschluss gefuehrt haben, die grossen Pyramiden als Depot fuer die Zeugnisse der moeglicherweise untergehenden Kultur zu erbauen. Ihre auffaellige Form und Anordnung haette spaeteren Besiedlern der Erde sicher als Schoepfung einer grossen untergegangenen Kultur auffallen muessen.

Dies waere auch ein einleuchtender Grund fuer den Aufwand, den der Bau der Pyramiden mit sich brachte. Und vielleicht sind sie sogar in dieser Zeit zu diesem Zweck benutzt worden und haben der aegyptischen Kultur , nach dem Chaos der 140 Jahre dauernden ersten Zwischenzeit, wieder das Niveau einer Hochkultur erreichen lassen.

Wir Menschen von heute neigen dazu, nur in den Dimensionen unseres Lebens und vielleicht noch etwas darueber hinaus, an die Erde zu denken, die uns das Leben ermoeglicht. Kosmisches Denken liegt uns fern, obwohl wir von unserer Eingebundenheit in den Kosmos wissen. Die Weisen der alten Reiche hatten zum Kosmos, auf Grund des ueberlieferten Wissens, noch eine direktere Beziehung und es ist bewiesen, das sie aus dieser direkten Beziehung zu den Goettern grossartige Schoepfungen vollbrachten. Man denke nur an die grossartigen Tempelbauten Aegyptens und die Zikkurate Mesopotamiens. Auch die schoepferische Grosstat des Baus der Pyramiden passt hier durchaus hinein.

In Sargtexten aus der auf die kosmische Katastrophe, die das alte Reich beendete, folgenden ersten Zwischenzeit und den Anfaengen des mittleren Reiches finden sich diese Stellen:

"Ich habe die vier Winde gemacht, auf dass ein jeder darin atmen kann wie sein Naechster. ...
Ich habe die grosse Ueberschwemmung gemacht, auf dass der Arme darin sein Recht haben moege wie der Grosse...
Ich habe einen jeden geschaffen wie seinen Naechsten; ich hiess sie nichts Boeses tun, vielmehr verstiessen ihre Herzen gegen das, was ich gesagt hatte...
Meine Suende ist aufgehoben, mein Irrtum ist hinweggewischt.....
Das Truegerische, das in mir war ist ausgetrieben .....
Ich mache mich auf den Weg, von dem ich auf der Insel der Rechtschaffenen erfahren habe..."

Dass in dieser Zeit nach der grossen Katastrophe mit ihren verheerenden Zerstoerungen moralische Lauterkeit als Voraussetzung fuer die ewige Seligkeit angesehen und materiellen Guetern geringere Bedeutung als charakterlicher Bewaehrung beigemessen wurde, geht auch aus anderen Quellen als den Sargtexten hervor. Diese Einstellung war wohl zum grossen Teil eine Folge des Schocks, den der Einschlag des Meteoriten und seine Folgen ausgeloest hatten. Bevor der Tote zu den Goettern eingelassen wurde, musste er von einem Goettergericht fuer wuerdig befunden werden. Anfangs stand das Totengericht noch unter dem Vorsitz des Sonnengottes Re und das Wiegen des Herzens hiess >Aufrechnung des Charakters

<, wobei die Waage des Re, auf der er das maīat abwaegt, eine wichtige Rolle spielte. Spaeter wurde Osiris zum Totenrichter und stand der Pruefung vor , bei der das Herz des Toten - Sitz des Verstandes und des Willens - in die eine und das Symbol der ma`at in die andere Waagschale gelegt wurde. >


Wogen die Tugenden des Toten schwerer als seine Fehler, so waren die Fehler damit geloescht, und der Tote durfte zu den Goettern eingehen.

Aus ihrem vorzivilisierten Zustand waren die Aegypter recht abrupt mit Hilfe der "Goetter" und der von ihnen eingesetzten Ordnung zu einer ausgeglichenen und harmonischen Lebensweise aufgestiegen, die sie, nachdem auch noch die gewaltigen Leistungen des Baus der Pyramiden und der Tempelanlagen, die auf der damaligen Welt nicht ihresgleichen hatten, vollbracht waren, mit vollendeter Lebenskunst genossen. Der aegyptischen Zivilisation hafteten bald eine Verfeinerung und eine genialische Komplexitaet an, die nur aus Selbstsicherheit und Lebensfreude erwachsen sein konnten.

Wie auch die anderen in der atlantischen Tradition stehenden Voelker schoepften die Aegypter aus dem Bewusstsein der von ihnen erbrachten, den Goettern wohlgefaelligen Leistungen, eine nachlaessige Eleganz und Selbstueberschaetzung, wie sie oft >zivilisiertes< Dasein kennzeichnen.

Aber dieselben Qualitaeten, die uns behaupten lassen, dass Aegypten in hohem Masse zivilisiert gewesen sei, rechtfertigen auch eine negative Aussage: Aegypten fehlte es an innerem Antrieb zur Weiterentwicklung und es hat nie ein brennendes Verlangen nach neuen Vorstoessen und neuen Eroberungen in der Ebene des Geistigen und Seelischen verspuert. Das seelische Gleichgewicht, das man von den Goettern am Anfang der Zeit empfangen hat und das bis ans Ende der Zeit gesichert scheint, kann ein Volk von Aengsten befreien, aber es enthebt es zugleich der Notwendigkeit, die Goetter und die Zwecke , die sie den Menschen aufgeben, immer von neuem zu entdecken. In diesem Sinne gleicht das alte Aegypten auch den anderen, in der atlantischen Tradition stehenden Staaten. Man fuehlte sich im Besitz der Goettlichen Weisheiten und trachtete lediglich danach , sie zu erhalten. Die Vorstellung, dass es darueberhinaus auch noch andere Werte geben koennte galt als absolut unpopulaer und wurde als Abweichung vom rechten Weg geaechtet.

Damit trat an die Stelle der von den "Goettern" gewuenschten Fortentwicklung der Menschheit ein Verharren in satter Zufriedenheit. Da dies offenbar nicht im Sinne der sich andauernd fortentwickelnden Schoepfung liegt, ist es nicht verwunderlich, dass erhebliche Veraenderungen ins Haus standen, mit denen sich die nachfolgenden Kapitel befassen werden.

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