Die Entwicklung der Kultur im Suediran und in Babylon (21,33)

von Karl Juergen Hepke

 
In der zweiten Haelfte des 4. Jahrtausends zogen die ersten Siedler vom iranischen Hochland, dem Flusslauf des Karun folgend, in die fruchtbare Ebene von Elam. Die entstehenden Siedlungen hatten hoechstwahrscheinlich auch schon Beziehungen zu den sumerischen Tempelstaaten in Suedmesopotamien, denn ueber die Siedlungen in Elam lief , auf Grund der Lage, der Handel zwischen den Tempelstaaten und dem Hochland. Die vorzugsweisen Handelswaren bestanden aus Holz, Gestein (Alabaster und Diorit ) , Edelsteinen ( Lapislazuli, Tuerkis und Karneol ) und Metallen wie Kupfer, Zinn, Blei, Silber und dazu Gold aus Zentralasien.

In der Djemdet- Nasr - Periode ist der wirtschaftliche und politische Einfuss von Sumer dann auch bereits aus Resten nachweisbar. In Susa wurden in entsprechenden Schichten Stempel und Rollsiegel gefunden, die Aehnlichkeiten mit den sumerischen aufweisen. Aus dieser Zeit stammen auch Tontafeln mit einer piktografischen, bisher unentzifferten Schrift, die Aehnlichkeiten mit der sumerischen aufweist. Ob es sich dabei um einen Vorlaeufer handelt und ob die Schrift nicht eventuell sogar im Hochland erfunden wurde , wie einige Forscher vermuten, konnte bisher nicht bewiesen werden. Sicher ist, dass es sich in Elam um ein reiches Land handelte, das den Wohlstand sowohl durch Ackerbau und Viehzucht, Garten- und Plantagenwirtschaft - letztere besonders gefoerdert durch die Herrscher - wie auch durch die Handelsverbindungen nach beiden Seiten erwarb.

Ueber die Herkunft der Bevoelkerung ist wenig bekannt, sicher ist jedoch , dass es weder Sumerer , noch Akkader noch Indoeuropaeer waren. Man fasst sie wegen ihrer Namen unter dem Begriff "asianisch" zusammen. Auf Grund der archaeologischen Funde kann man sagen , dass sie die gleiche Kultur hatten wie die Bewohner der Zagrosberge und des Hochlandes. In der sumerischen Tradition wird ausgesagt, dass die vierte, noch sagenhafte Dynastie "nach der Flut" aus Awan gekommen sei, das man wohl in den oestlichen Randbergen vermuten darf.

Sargon I von Akkad unterwarf ums Jahr 2400 v. Chr. auch Elam . Aber unter dem dritten Koenig der Sargon - Dynastie , Naramsin, war Elam an einem Aufstand der Bergvoelker gegen die Akkader beteiligt, der aber niedergeschlagen wurde. Elamische Fuersten verwalteten nun im Auftrag der Akkader das Land. Die Sprache und Schrift war akkadisch. Als Andenken an die Niederschlagung des Aufstandes gibt es einige Felsbilder bei Darband - i - Gawr von Naramsin und einigen lulubaeischen Fuersten, die, ihre Feinde zertretend und ihre Unterwerfung entgegennehmend, als Mahnung an die Nachwelt dargestellt werden. Interessant sind auf diesen und aehnlichen anderen lulubaeischen Felsbildern die Darstellung von Fuerst und Gefangenen. Der Fuerst traegt eine runde , randlose Kappe und einen halblangen Lendenschurz, der vorn offen ist und einen verzierten Rand hat und durch einen breiten Guertel gehalten wird. Im Guertel steckt eine langschaeftige Streitaxt. Um seinen Hals traegt er einen Ring mit halbmondfoermigen Anhaenger, die eine Hand traegt einen Bogen, die andere einen grossen eifoermigen Stein. Die Gefangenen sind nackt, mit auf den Ruecken gebundenen Haenden dargestellt. Einer von ihnen traegt eine Federkrone.

In den akkadischen Auseinandersetzungen um die Koenigsfolge machte sich der Gouverneur in Elam, Puzur- Schuschinak, wieder unabhaengig und unterwarf seinerseits den Koenig des Berglandes, Schimasch. Er staerkte auch die Stellung von Susa. Der Tempel des Stadtgottes Schuschinak wurde erneuert und taegliche Opfer eingerichtet. Nach dem Tode von Puzur -Schuschinak uebernahm die Dynastie von Schimasch die Herschaft in Elam. Noch zu Lebzeiten dieses Fuersten kamen die Guti wieder im Nordosten von Akkad von den Bergen, vernichteten die akkadische Macht und errichteten eine "barbarische" Fremdherrschaft ueber Sumer und Akkad. Als Tempelschaender und Pluenderer werden sie in der mesopotamischen Chronik bezeichnet. Siegelrollen und ihre Abdruecke geben einen Eindruck vom Leben in dieser Zeit. Unbekleidet geht der Elamiter auf die Jagd auf vielerlei Getier, darunter Loewen, Panther, Woelfe, wilde Stiere, Hirsche, Mufflons und Antilopen. Auch die Priester sind bei Kulthandlungen nackt. Sonst tragen die Maenner halblange, von einem Guertel gehaltene Lendentuecher, die Frauen lange Gewaender. Die Haare sind bei den Frauen immer, bei den Maennern manchmal zu Zoepfen geflochten.

Um 2100 v.Chr. wurden die Guti Fuersten von einer sumerisch akkadischen Koalition wieder in ihre Berge zurueckgetrieben, in der Ebene kam es unter der dritten Dynastie von Ur zu einem etwas festeren Zusammenschluss. Elam stand in einem Vasallenverhaeltnis zu Ur, was sich aber vorwiegend nur auf die Stadt Susa und ihre Umgebung bezog. Als amoritische Scharen atlantischer Herkunft zur Zeit Ibisins von Ur die Stadt bedrohten , machte das elamitische Hilfschor gemeinsame Sache mit den Angreifern und draengte den Einfluss von Ur zurueck. Einige Jahre spaeter wurde Ur dann von den Elamitern erobert und Ibisin und die Stadtgottheit Nanna wurden nach Susa gebracht.

 
Im 18. v.Chr. Jahrhundert setzte der "Goettliche Bote und Hochkomissar" Kudur Mabug seinen Sohn als Herrscher in das altsumerische Kulturzentrum Larsa ein. Dessen Bruder und Nachfolger Rimsin gelang es im Laufe von 32 Jahren eine mesopotamische Stadt nach der anderen unter seine Oberhoheit zu bekommen. Er befahl die Anlage neuer Kanaele und liess neue Tempel anlegen sowie vorhandene wiederherstellen. Die Einwohner der Stadt Isin verdankten ihm , laut eines akkadischen Textes "Leben und Wohnstaette".
Nur das damals noch recht unbedeutende Babylon, das von den Amoritern bewohnt wurde , konnte sich seinem Machtanspruch entziehen. Hier kam dann in dem zumindest atlantisch denkenden

Hammurabi, einem der groessten Herrscher des Orients, an die Macht, die er im Laufe der Zeit ueber das ganze Mesopotamien ausdehnte. Rimsin musste immer weiter zurueckweichen und schliesslich im 61. Jahr seiner Regierung die letzte Besitzung im Zweistromland, die Stadt Larsa, aufgeben und nach Elam fliehen. Hier wurde er aber dann doch noch gefangengenommen.

Die elamischen Hochkommissare wurden wieder Vasallen der Herrscher des Zweistromlandes und zwar jetzt in Gestalt der amoritischen Herrscher von Babylon. Ihre lange Erfahrung in dieser Rolle ermoeglichte es ihnen und ihrem Land, regen Anteil am allgemeinen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung des Zweistromlandes zu nehmen. Aus dieser Zeit gibt es in den Archiven von Susa und Malamir eine ganze Reihe von Dokumenten , die Auskunft ueber das damalige Leben in Elam geben. Akkadisch ist, wie in Mesopotamien, die Amtssprache, und in den juristischen Texten laesst sich deutlich die Befolgung des Codex Hammurabi feststellen. Die Anrufungen von Gottheiten in Rechtsgeschaefte enthalten nun auch die Namen semitischer Goetter. Neben den alten Hauptgott von Susa, Schuschinak , tritt Schamasch, und in Malamir erscheint statt Schuschinak der dort beheimatete Ruuartir neben ebenfalls Schamasch. In der Stadt Susa kommen nun auch verschiedentlich semitische Eigennamen vor. Die Urkunden beziehen sich auf alle Arten von Rechtsgeschaeften wie Kaeufe und Verkaeufe, Heiraten, Adoptionen, Schenkungen, Pachtvertraege und Pfaendungen. Ausserdem gibt es Niederschriften von Gerichtsbeschluessen, die teilweise auf Grund eines "Gottesurteils" durch Wasserprobe gefasst wurden.
In den ersten Jahrzehnten nach 1700 v. Chr. erscheinen die sogenannten "Kassiten", die nach ihrem ganzen Verhalten nach Osten abgewanderte Fuersten atlantischen Ursprungs und moeglicherweise sogar mit den aus Aegypten und Kanaan vertriebenen Hyksos identisch sind. Sie hatten sich hier in den ehemaligen Wohnsitzen der Lulubi, den Ebenen Luristans, niedergelassen und draengten allmaehlich in die Ebene, wo sie sich am oestlichen Tigrisufer festsetzten. Gewisse Eigennamen deuten in atlantische Richtung. So trug zum Beispiel der fuenfte der ersten Kassitenfuersten um 1600 v. Chr. den "arischen" Namen Abiratta.

Eine andere Gruppe dieser Einwanderer atlantischen Ursprungs, die wahrscheinlich ueber Kanaan von Westen kam, riss, moeglicherweise als Minderheit, die Fuehrung der im noerdlichen Mesopotamien ansaessigen Churriter an sich und gruendete das Reich von Mitanni , das sich sehr bald um eine freundschaftliche Stellung zu Aegypten bemuehte und die bedeutende Frau eines Pharaos stellte. Es war Nofretete, die Frau Amenophis IV, der sich spaeter Echnaton nannte und in die Geschichte Aegyptens als Ketzer einging , weil er versucht hatte, der aegyptischen Staatsreligion eine atlantische Richtung zu geben. Nofretete war demnach keine Asiatin, sondern kam aus dem Stamm von Atlantis, aus dem auch die aegyptischen Pharaonen einst entsprossen waren.

Die Macht der Amoriter hatte inzwischen so nachgelassen, dass der hethitische Koenig Murschili I etwa 1530 v. Chr. es wagen konnte, einen erfolgreichen Raubzug nach Babylon zu unternehmen. Die daraus resultierende Schwaechung Babylons nutzten die Kassiten aus und eroberten Babylon. Das geschah unter Agum II, der sich auch Agukakrime nannte. Von hier ab herrschten die Kassiten fuer fast 400 Jahre ueber Mesopotamien. Nur der Norden mit dem Reich von Mitanni in den alten churritischen Gebieten und das anfangs noch kleine Fuerstentum Assur , die beide ebenfalls in dieser Zeit stark atlantisch bestimmt waren und deshalb als befreundete Voelker betrachtet wurden, blieben davon ausgenommen. Auch der Sueden mit den schwer zugaenglichen Sumpfdeltas von Euphrat und Tigris behielt anfaenglich eine gewisse Unabhaengigkeit ,waehrend Elam sich aus seinen Vasallenstatus nicht befreien konnte und zum Herrschaftsbereich der Kassiten gehoerte.

Die neuen Herren Babylons akzeptierten aufgrund ihrer eigenen atlantischen Vorgeschichte ohne Probleme die hohe Kultur des Landes , und schon jener erste Kassitenkoenig Agum II hatte nichts Eiligeres zu tun, als die von den Hethitern weggeschleppten und in dem euphrataufwaerts gelegenen Chana stehengelassenen Statuen des Stadtgottes Marduks und seiner Gemahlin Sarpanitu im Handelsaustausch zurueckzuholen und mit vollem Ornat in dem wiederhergerichteten Tempel Esangila wiederaufzustellen.

Das Schwergewicht der damaligen Weltpolitik hatte sich in der Mitte des zweiten Jahrtausends in den oestlichen Mittelmeerraum , Aegypten, Kleinasien und Nordmesopotamien verlagert und die Geschehnisse waehrend der knapp vierhundertjaehrigen Kassitenherrschaft ( ca 1530 - 1160 v. Chr.) hatten mehr provinziellen Charakter, wenn man von den andauernden Grenzauseinandersetzungen mit Assyrien im Norden und Elam im Osten und der intensiven diplomatischen Aktivitaet, die Babylon zeigte, einmal absieht. Die straffe Regierung des Hammurabi war einer weichen Handhabung der Staatsgewalt gewichen. Die kassitische Kriegerkaste verwandelte sich in einen selbstherrlichen und weitgehend selbstaendigen Landadel, der abgabefreien Grundbesitz, immer reichere Belehnungen und hoehere Steuererlasse anstrebte und auch erhielt, so dass die Macht des Koenigshauses immer mehr absank und sich fast nur noch in den Titeln "Koenig von Sumer und Akkad" oder "Koenig der Gesamtheit" widerspiegelte. Diese innenpolitischen Details zeigen deutlich, dass hier nicht mehr der starke Zentralstaat oestlicher Praegung, sondern der im spaeten atlantischen Reich ueberall praktizierte Feudalstaat das Organisationsprinzip war. Auch daraus ist zu sehen, dass atlantisches Denken und Handeln im Volk der Kassiten eine dominierende Rolle spielte.

Dass der Staat deshalb doch nicht schwach war und sich besser behaupten konnte, als viele zentral und straff regierte Staaten , zeigt sich in der langen Zeit der Herrschaft der Kassiten. Es zeigt sich auch in einzelnen geschichtlichen Vorgaengen, wie der Beseitigung der Selbstaendigkeit der Meerlande durch den Fuersten Ulamburiasch um 1450 v. Chr. und den erfolgreichen Grenzauseinandersetzungen, die Karaindasch mit dem damals noch von Mitanni abhaengigen Assur hatte, und die zu einer festen Vereinbarung ueber den Verlauf der Grenzen fuehrten.

Das Ansehen von Karaindasch am aegyptischen Hof war dadurch so gestiegen, dass das aegyptische Aussenamt unter Amenophis III eine Tochter des Kassitenkoenigs fuer den Harem des Pharao anforderte und auch gegen einen in Gold erstatteten Brautpreis erhielt. Auch dies zeigt, dass die Aegypter die Kassiten als Atlanter betrachteten, weil sie vorzugsweise aus ihren Kreisen die Frauen des Pharaos waehlten um die atlantische Komponente in der Pharaonenlinie zu bewahren, ohne dabei in Inzucht zu geraten. Der durch den Sohn von Karaindasch, Kadaschmancharbe I , im Gegenzug geaeusserte Wunsch, eine Tochter des Pharaos als Frau zu erhalten, wurde allerdings von der Grossmacht Aegypten bruesk abgelehnt und auch das Ansinnen, stattdessen eine schoene Aegypterin zu schicken, die man als Pharaonentochter ausgeben koennte, fand bei den Aegyptern wenig Gegenliebe.

Die Vorgaenge zeigen aber, dass die Beziehungen zu Aegypten gut waren, und das bestaetigte sich auch in der Folgezeit. Als naemlich unter Karaindaschs Nachfolger Kurigalzu I ein kanaanaeischer Staedtebund Babylon zur Teilnahme an einem Krieg gegen Aegypten aufforderte, erhielt er eine klare Absage. Dieser Kurigalzu der sich "Koenig der Gesamtheit" und "Berufener des Goetterherrn" nannte, war offenbar auch sonst ein recht faehiger Fuerst. Er eroberte wieder einmal Susa, wo er den dortigen Palast der Goettin Ninlil weihte, und erbaute gegen die Assyrer die befestigte Grenzstadt Durkurigalzu.

Wir befinden uns jetzt in der Mitte des 14. Jahrhunderts , der sogenannten Amarna Zeit. So benannt nach der Stadt , die der "ketzerische" Pharao Amenophis IV , der sich dann Echnaton nannte, an den Ufern des Nils in einem von ihm und seiner Frau Nofretete neu definierten Stil erbauen liess. Die Stadt wurde nach seinem Tode wieder verlassen , verfiel und bewahrte unter ihren Truemmern den ganzen reichen Schriftwechsel des aegyptischen Staates aus dieser Zeit. Eine unschaetzbare Fundgrube und zuverlaessige Quelle wichtiger Informationen fuer die Archaeologen von heute. In diesem Schriftwechsel befanden sich auch die Briefe der Aegypter nach Alasija (Atlantis), was Angesichts der atlantischen Herkunft seiner Frau nicht verwundert.

Das Reich der Hethiter stand zu dieser Zeit unter seinem groessten Herrscher Suppiluliuma auf dem Hoehepunkt seiner Macht und Aegypten suchte in dem geschickt taktierenden Kassitenfuersten Burnaburiasch II ein Gegengewicht zu erhalten. Dieser nutzte die Situation und liess sich seine "Freundschaft" durch reichliche Geschenke in Edelsteinen, Gold und Silber vergelten. Das Verhaeltnis zu Assyrien pflegte er, indem er seinem Sohn eine assyrische Prinzessin zur Frau gab. Dies loeste auf Dauer aber nicht die Probleme, die es in der folgenden Zeit mit dem immer staerker werdenden Assyrien gab.

Es gab immer wieder Kriegshandlungen, in denen zeitweise der eine oder der andere die Oberhand behielt. Manchmal griffen auch die Hethiter in das Spiel der Kraefte ein, und auch die Elamiter witterten hin und wieder Morgenluft und mussten immer wieder niedergekaempft werden. Unter Tukutiniurta I griffen dann die Assyrer entschlossen und mit aller Macht den ewigen Gegner im Sueden an und besiegten im Jahr 1234 v. Chr. den damaligen Herrscher von Babylon , Kaschtiliasch IV. Er wurde gefangengenommen und Tukutiniurta setzte dem gefesselten Koenig zum Zeichen seiner Unterwerfung den Fuss auf den Nacken "wie auf einen Schemel".

Ein Aufstand in Babylon war die Folge. Er wurde blutig niedergeschlagen, die Mauern Babylons wurden geschleift und viele Kassiten deportiert. Die Stadt selbst wurde gepluendert, der Stadtgott Marduk wurde nach Assur gebracht. Tukutiniurta nannte sich jetzt auch "Koenig von Babylon" und liess die altberuehmte Stadt durch einen Gouverneur regieren. Die unverhaeltnismaessige Haerte des Vorgehens gegen das "befreundete" Babylon erregte aber in den atlantischen Kreisen Assurs Aergernis und die Stellung Tukutiniurtas wurde erheblich geschwaecht.

Sieben Jahre spaeter mussten die Babylonier einen Angriff Elams abwehren. Sie benutzten die dazu vorhandene Waffengewalt, um den Gouverneur zu verjagen, und im Bunde mit der in Assur entstandenen und gegen Tukutiniurta aufstehenden atlantischen Partei konnte ein Sohn von Kaschtiliasch den Thron Babylons wieder einnehmen. Eine neue Statue Marduks wurde aufgestellt und der Kult wieder aufgenommen. Da die Stellung Assurs durch innere Wirren in der Folgezeit geschwaecht war, gelang es dem Wiederhersteller der kassitischen Macht Adadschumnasir sogar , die schwachen Nachfolger Tukutiniurtas wieder in Abhaengigkeit zu bringen. Doch auch das dauerte nicht lange. Beide Koenige fielen in einer neuen Auseinandersetzung, moeglicherweise sogar im atlantischen Stil des Zweikampfs. Darauf folgten einige Jahrzehnte Ruhe, in denen der in Babylon offiziell herrschende Kassitenfuerst Melischipak ein Leben als reicher Grundbesitzer fuehren konnte.

Nun aber regte sich wieder Elam. Als die Assyrer 1174 v.Chr. unter ihrem Koenig Assurdan I den Babyloniern eine Niederlage bereiteten, fiel sein Koenig Schutruknachhunte in Babylon ein und machte seinen Sohn zum Koenig des Landes . Bei dieser Gelegenheit brachte er auch die Siegesstele Naramsins und den Obelisken mit dem Codex Hammurabi nach Susa. Der Gegenschlag Babylons liess nicht lange auf sich warten und brachte fuer fuenf Jahre wieder einen Kassiten auf den Thron. Als die Elamiter 1160 v. Chr. auch ihn beseitigten, wurde von babylonischen Kreisen ein neuer Fuehrer mit Namen Nabukhudrossor aufgestellt, dem es gelang, die Elamiter zu vertreiben. Die neue Dynastie war nicht mehr kassitisch und nannte sich, um das zu betonen, nach der alten Schamaschstadt Isin.

Wie im Mittelmeerraum, so ging auch hier eine Epoche zu Ende. Es ist bemerkenswert, dass auch die Macht der Kassiten erlosch, als das klassische atlantische Reich im Mittelmeerraum zusammenbrach. Eine neue Zeit der Wirren kuendete sich an , die Zeichen standen auf Krieg , und fuer eine Politik, die auf internationalen Handel und offene Grenzen gegruendet war, gab es keinen Platz mehr.
Elam erlebte eine Zeit der relativen Ruhe. Von1150 bis 821 v. Chr. gibt es keine besonderen Aufzeichnungen aus dieser Region. Das Schwergewicht der Auseinandersetzungen verlagerte sich nach Norden.

Die 400 Jahre der kassitischen Herrschaft in Babylon hatten kulturell keine umwaelzenden Fortschritte gebracht. Es war auch kein grosses Reich entstanden, und militaerisch und wirtschaftlich hatte Babylon nur seine unabhaengige Existenz gewahrt, was allerdings in der unruhigen Zeit und bei der ungeschuetzten Lage, die die babylonischen Lande hatten, schon eine erhebliche Leistung war. Der Gewinn dieser Zeit bestand in anderen Dingen : Babylon wurde zu dem phaeakischen Land der Haendler, als das es die Bibel sieht. Wie auch im atlantischen Reich bluehten Handel und Wandel. Karawanen zogen durch alle Lande und ihr Schutz und ihre Unversehrtheit wurde von Babylon aus auch im fremden Land mit allen verfuegbaren Mitteln der Politik betrieben. Auch aus dieser Tatsache geht hervor, dass die Kassiten vom atlantischen Reich, das schon Jahrhunderte lang die gleiche Politik im Mittelmeerraum getrieben hatte, gelernt hatten. In gewisser Weise verlaengerte so das Reich der Kassiten das atlantische Reich nach Osten und stellte dessen Handelsverbindung zu den Schaetzen des fernen Orients her.

Angesichts dieses Konzepts und der darin enthaltenen Logik kann es als nahezu sicher gelten, dass die Kassiten aus dem atlantischen Reich stammten, dass sie eine ausgesuchte Kerntruppe guter Leute waren, und dass sie vielleicht sogar den Auftrag hatten, im babylonischen Raum Verhaeltnisse zu schaffen, die den atlantischen Handel nach Osten erleichterten. Auch die Metallvorkommen in diesem Raum koennten anfaenglich ein interessantes Motiv fuer die Infiltration gewesen sein. Der ihnen gegebene Name "Kassiten" weist eigentlich auf ihre Beziehungen oder ihr anfaenglich dominierendes Interesse an dem fuer das atlantische Bronzemonopol wichtigen Zinn hin, das aus diesem Raum kam.

Dass ausgesucht gute Beziehungen zum Westen bestanden, beweist die intensive diplomatische Aktivitaet mit Aegypten, mit den Hethitern, dem Reich von Mitanni, den kanaanitischen Staedten und Assyrien. Gesandtschaften zogen hin und her, Subventionen wurden gezahlt, Hilfstruppen wurden angefordert und politische Heiraten geschlossen.

Die babylonische Heilkunst stand in dieser Zeit in hohem Ansehen. Der Kassitenkoenig Kadaschman- Enlil II schickte um 1270 v.Chr. seinem Buendnispartner, dem Hethiter Chattusili II einen bewaehrten Arzt, der in Hattusa soviel Erfolg hatte, dass er viele Jahre dort bleiben musste, obwohl sein Herr ihn brieflich zurueckbeorderte.

Auch Literatur und Musik wurden am kassitischen Hof gepflegt. Nazimaruttasch war um 1300 v. Chr. als friedliebender und literarisch interessierter Fuerst bekannt, und aus zufaellig erhaltenen medizinischen Bulletins wissen wir, dass der Leibmedicus eines kassitischen Herren taeglich Bericht ueber den Gesundheitszustand der Saenger und Saengerinnen der koeniglichen Musikschule zu geben hatte. Bei anderen Fuersten wieder wurden Pferdezucht und Wagenlenkkunst gepflegt. Aber auch die Erhaltung und die Neuerstellung von Tempeln wurde nicht vernachlaessigt und so findet man Bauinschriften der bedeutenderen Kassitenkoenige wie Karaindasch, Burnaburiasch, Kurigalzu fast an allen babylonischen Fundstaetten.

Eine besondere Art der Plastik aus dieser Zeit sind die in grosser Zahl erhaltenen Kudurrus, die als Verleihungsurkunden und Grenzsteine gedacht waren. Ueber Schenkungs - und Koenigsdarstellungen oder religioesen Szenen und Feldgrundrissen zeigen sie die Embleme der angerufenen Gottheiten : den achtstrahligen Ishtarstern, die Mondsichel Sins, die Sonnenscheibe des Schamasch, den Skorpion der Ischchara, die Lampe des Nusku u.s.w..

Das religioese Leben dieser Zeit bewegte und entwickelte sich weiter in der vorhandenen Tradition Babylons. Die Goetter wurden aber zunehmend ihrer menschlichen Zuege entkleidet und auf einen hoeheren, perfekteren Status angehoben. Die Literatur wird auch entsprechend ueberarbeitet. Das Mardukepos von der Weltschoepfung erhaelt seine klassische Form. Die Geschichten von Adapa und Etana werden neu aufgezeichnet und sind als Literatur in Aegypten und Assur weit verbreitet. Auch das Gilgameschepos wird aus seinen ueberlieferten Teilstuecken neu zusammengefasst und zu dem eindrucksvollen, heute bekannten Werk gestaltet. Neu in dieser Zeit entstanden ist die Erzaehlung von Ishtars Erhoehung , die berichtet, wie Ishtar auf Bitten der Goetter von einer Dienerin zur legitimen Gemahlin Ans aufsteigen durfte und von ihm Schmuck, Goettermuetze und Koenigsstab und schliesslich Eanna, ihr Heiligtum, zum Geschenk erhielt.

Wahrer alter Tradition, bildet die Geistlichkeit wie in Atlantis und in Aegypten einen Staat im Staate. Aber auf Grund der verschiedenen Goetter und ihrer Priesterschaft und deren oft gegenlaeufigen Interessen erreicht sie nicht die Macht, wie in den anderen beiden Traditionsstaaten . Alle Tempel, von denen jede Stadt mindestens ein halbes Dutzend aufwies, hatten ihren Oberpriester, ihre Hausbetreuer, ihre Leutepriester und Spezialisten fuer Beschwoerungen, Bestattungen , Schreibarbeiten und anderes mehr. So konnten es bis zu 100 Priester pro Tempel werden. Alle kleideten sich in weisses Leinen, das bei besonderen Anlaessen auch mit Rot vertauscht wurde. Als Kopfbedeckung wurden schmale, kegelfoermige, oben abgeschnittene Muetzen getragen

Die Dienerinnen der Gottheit unterstanden einer oft dem Koenigshaus entstammenden Oberpriesterin. Auch bei ihnen gab es verschiedene Raenge und Aufgaben. Den Opferdienst, rituelle Waschungen und Beschwoerungen, Wahrsagerei und die sakrale Prostitution im Tempelbordell, die vor allem bei den Kultfesten der Ishtar in den Vordergrund trat. Da sie andererseits aber die Pflicht der Kinderlosigkeit hatten, gab es bereits eine entsprechende Praxis der Geburtenverhinderung. Die Priesterinnen waren hochangesehen und fanden nach Ablauf ihrer Dienstjahre im Tempel nicht selten einen guten Ehemann.

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