Hattier und Hethiter in Anatolien (18,20)

von Karl Juergen Hepke

Wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln ueber die Anfaenge und die Entwicklung des atlantischen Reiches erwaehnt , war dieses Reich sehr expansiv. Dies lag zum einen Teil daran , dass es sich auf Grund des von ihm besiedelten Inselreichs um ein Volk von Seefahrern handelte, das gewohnt waren, mit seinen hochentwickelten und relativ schnellen kombinierten Ruder und Segelschiffen weite Entfernungen auch ueber das offene Meer zurueckzulegen. Die geschuetzt liegenden Meere des Mittelmeerraums waren fuer die Atlantikbezwinger , die bis nach Amerika gelangt waren, ein leicht zu befahrender Raum, wenn auch wegen der im Sommer haeufigen Windstille sicher oft ueber den harten Dienst am Ruder geklagt wurde. Dies fuehrte dann schließlich auch dazu, daß bei Handelsschiffen bevorzugt Sklaven fuer die Ruderarbeit eingesetzt wurden.

 
Zum anderen Teil lag es daran, daß fuer die von den Atlantern bevorzugte Weidewirtschaft grosse Flaechen freien Landes benoetigt wurden und deshalb entsprechend der wachsenden Bevoelkerung immer mehr Land gebraucht wurde. So waren die Atlanter staendig auf der Suche nach neuem Land und dehnten sich nach und nach in die bereits beschriebenen Gebiete Europas und schliesslich bis nach Asien hinein immer weiter aus. Dabei scheuten sie auch weite Wanderungen ueber Land nicht. Diese Wanderungen gingen aber verglichen mit der Fahrt ueber das Meer, sehr langsam vor sich, da es keine Strassen und Wege in den neu zu besiedelnden Gebieten gab und fuer die Ochsenkarren und Rinderherden erst Wege gefunden und darauf , wenn erforderlich, freigemacht und gekennzeichnet werden mussten.

Ein dritter Grund war der bei den Atlantern von Anfang an zu beobachtende Drang nach Vorkommen von Werkstoffen, die sich fuer die Herstellung von Werkzeugen und Waffen eigneten. So wurden im Anfang die reichen Vorkommen von Feuerstein im norddeutschen Raum und die Vorkommen von Obsidian in Anatolien erschlossen. Spaeter folgte dann der Zug zu Laendern mit Vorkommen von Erzen und Metallen. In der zweiten Haelfte des dritten Jahrtausends v. Chr. , das heisst, in der bereits ein halbes Jahrtausend waehrenden Bronzezeit und damit der beginnenden Bluetezeit des atlantischen Reiches, gab es so in verschiedenen kleinen Fuerstentuemern Suedost- Mittel- und Nordanatoliens eine von Archaeologen wiederentdeckte kulturelle Entwicklung, die in den Grabbeigaben der Nekropolen mit hohem kuenstlerischen Niveau dokumentiert ist. Die Traeger dieser Kultur werden in spaeteren hethitischen Texten Hattier genannt. Die wenigen Reste der hattischen Sprache unterscheiden sich von allen anderen anatolischen Sprachen, es handelte sich also offenbar um Einwanderer.

Auf Grund der hohen Kulturstufe und den besonderen Faehigkeiten dieser Einwanderer in der Gewinnung und Verarbeitung von Metall und dabei vorzugsweise der Bronze, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, daß sie atlantischen Ursprungs waren. Auch Troja wurde in dieser Zeit durch Atlantis erobert und zur Schluesselstellung ausgebaut . Es liegt also nahe , dass einzelne unternehmerische Kleinfuersten aus dem atlantischen Raum sich dem erzreichen Anatolien zuwandten, in dem es reiche Vorkommen von Kupfer, Blei, Gold und Silber gab, um Metallgewinnung und Verarbeitung zu betreiben. Da Zinn zur Bronzeherstellung in Anatolien selbst nicht vorkommt , ist anzunehmen, daß die Neusiedler zumindestens anfangs noch Kontakte zum atlantischen Metallhandel unterhielten, der ueber Troja vom Mittelmeer ins Schwarze Meer lief. Auf diesem Wege duerften die Einwanderer auch von Norden her nach Anatolien eingedrungen sein.

Der Reichtum der in den Nekropolen dieser Fuerstentuemer gefundenen Grabbeigaben ist , sowohl von der Qualitaet der kuenstlerischen Verarbeitung wie auch vom Material her , ueberwaeltigend und zeugt einmal mehr vom Wohlstand, der im atlantischen Reich und seinen auf Metallbearbeitung und Gewinnung basierenden Tochterniederlassungen herrschte. Es melden sich allerdings leise Zweifel an, wenn die Zeit der Grabbeigaben genannt wird. Diese Zeit ist ja nicht weit von der entfernt, in der die atlantische Wanderung, die durch die Katastrophe von 1250 v. Chr., auf die wir spaeter noch kommen werden, ausgeloest worden war, das Reich der Hattier erreichte und es vereinnahmte.

Es waere also durchaus moeglich, daß die hier bestatteten Fuersten gar keine Hethiter, sondern im Eroberungskampf gefallene Atlanter waren, denen aus den mitgefuehrten atlantischen Schaetzen so reichliche Grabbeigaben gemacht wurden. Da beide Kulturen im wesentlichen gleich waren, ist aus der Art der Grabbeigaben nicht unbedingt zu ersehen, ob es sich bei den bestatteten Fuersten um Hethiter oder Atlanter handelt.

"Die Ausgraeber glaubten jedenfalls in eine Maerchenwelt versetzt zu sein, als sie die schimmernden Metallgefaeße aus Gold und Silber , die bronzenen Tierstandarten, die Diademe und mit Gold eingelegten Frauenstatuetten sahen. Auf besondere Weise verbinden sich in diesen Metallarbeiten archaische rustikale Gedrungenheit mit formaler Eleganz, wie sie nur aus langer Erfahrung im Umgang mit dem Material entstehen kann."(20) Es wird deutlich, daß diese Faehigkeiten der Metallverarbeitung eine lange Tradition haben mußten , und dass diese Tradition oder auch die Gegenstaende selbst bereits von den Einwanderern mitgebracht wurden. Da es bisher relativ wenig Beispiele fuer Metallarbeiten gibt, die mit so grosser Wahrscheinlichkeit dem urspruenglichen atlantischen Stil zuzuordnen sind, muß hier einmal naeher auf charakteristische Formen eingegangen werden. Sie sind im Museum fuer anatolische Kulturen in Ankara ausgestellt.

Frauengestalten : Es gibt die idolartigen bronzenen Frauengestalten aus Alaca Hueyuek. Vom Kopf bis zur Huefte sind sie aehnlich abstrahierend gestaltet wie auf den Kykladen gefundene Marmorfiguren aus der gleichen Zeit und erinnern dabei mit ihrem breithueftigen , kurzbeinigen Unterkoerper an die Muttergottheiten , die im atlantischen Mittelmeerraum und in Catal Hueyuek gefunden wurden. Die fast kniehohen Schuhe aus Goldblech haben ihr optisches Gegenstueck in den goldenen Schalen der nicht uebergroßen Brueste und in mit Gold eingelegten Ohrscheiben. Andere Frauengestalten haben den ganzen Kopf mit Goldblech ueberzogen und Goldbaender ueber Brust und Schultern. Das Dreieck der Scham wird plastisch hervorgehoben und erstreckt sich in geometrisch exakter Form ueber den halben Unterleib. Aus Horoztepe stammt eine Frauenfigur aus Bronze ohne Goldapplikationen, die ein Kind an die Brust drueckt.

Bemerkenswert sind auch hier, wie in Lurestan im Iran, wo sie, wie wir noch sehen werden, eindeutig von den atlantischen Einwanderern mitgebracht wurden, die gefundenen "Standarten" . Sie haben unten alle einen Stab- oder zapfenfoermigen Ansatz mit dem sie auf Traegern befestigt werden konnten. Welcher Art diese Traeger waren, ob es sich um Wagen oder Stangen handelte, ist ungeklaert. Aus der spaeteren Verwendung aehnlicher Symbole als Heerzeichen - man denke an die "Adler" der roemischen Legionen - oder bei zeremoniellen Umzuegen auch noch der christlichen Kirchen, kann aber mit einiger Wahrscheinlichkeit auch ihre damalige Verwendung abgeleitet werden. Demzufolge wurden sie bei militaerischer Verwendung, aehnlich wie spaeter die Fahnen, auf langen Stangen steckend den einzelnen Heereseinheiten vorangetragen. Bei der Verwendung bei religioesen Umzuegen trug man sie den einzelnen Priestergruppen oder Goetterfiguren voran.

Es gibt hier Tierdarstellungen und durchbrochene Scheiben als Sonnensymbole. An manchen Standarten sind Metallscheiben in Ringen angehaengt, die bei Bewegung klingen. Mit anderen lassen sich rasselnde oder schwirrende Geraeusche erzeugen. Hirsche und Stiere sind die am haeufigsten verwendeten Tiermotive. Sie sind oft mit ihrem Gehoern bis zu einem halben Meter hoch und wirken mit ihren versilberten Haeuptern und konzentrischen silbernen Kreisen besonders eindrucksvoll. Bronzene Stierhoerner sind oft in einem weit ausgreifenden Bogen herumgefuehrt, aus denen Strahlen oder Blueten hervortreten. In den Boegen stehen Tiergestalten oder es gibt geometrische Ornamente wie zum Beispiel das Hakenkreuz. Auch sternfoermige Ornamente und fliegende Voegel kommen vor. Dass die Darstellung menschlicher Gestalten voellig fehlt, beweist einmal mehr , daß es sich hierbei um Zeichen handelt, die in Verbindung mit dem lebenden Menschen benutzt wurden. Seine Darstellung war nicht noetig, da er in lebender Form in großer Menge vorhanden war.

Leider gibt es aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen, sodaß vieles letztlich ungeklaert bleibt. Durch das Mittel der Schrift etwas erhellt, wird die Zeit erst ab etwa 1900 v. Chr. In dieser Zeit kamen Haendler aus dem assyrischen Raum in den suedlichen Grenzraum Anatoliens, um mit den Hattiern Geschaefte zu machen. Es bildeten sich regelrechte Handelsniederlassungen, die sogenannten Karums , wie zum Beispiel Kanisch , das heutige Kueltepe. In dem Schutt dieser Niederlassungen fand man Tausende von Tontaefelchen auf denen in altassyrischer Schrift Geschaeftsurkunden niedergeschrieben waren. Kanisch war ein besonders gern besuchter Handelsplatz, denn hier trafen sich die Karawanenwege der Kupfer- , Zinn- und Textiltransporte.

Es ist bemerkenswert , daß in dieser Zeit um 1900 v. Chr. die sogenannten Churriter sich in Obermesopotamien ansiedelten. Die Herkunft der Churriter ist ungewiss, vieles deutet aber darauf hin, daß es sich, zumindestens in der Oberschicht, und dazu zaehlten damals auch die oft reichen Haendler, auch um Menschen atlantischer Herkunft handelt. Dafuer spricht ihre Bautaetigkeit in "zyklopischem" Stil und ihre hervorragende Wasserwirtschaft, die sie weiter im Norden in dem spaeter von ihnen gegruendeten Reich von Urartu praktizierten, und es spricht weiter dafuer ihre geradezu partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den ebenfalls dem atlantischen Handelsvolk entstammenden Hattiern. Denn bei den vorher genannten Haendlern aus dem assyrischen Raum handelt es sich sehr wahrscheinlich um Churriter, die sich der landesueblichen altassyrischen Sprache und Schrift bedienten.

Die Churriter hatten offenbar in dieser Zeit auch Zugang zu den Zinnvorkommen im persischen Bergland und moeglicherweise waren diese Zinnvorkommen auch das urspruengliche Ziel ihrer Einwanderung. Mit Hilfe des Zinns aus diesen Minen waren die Hattier nun unabhaengig von den Zinnlieferungen aus Iberien oder England , die auf dem langen teuren Seeweg ueber den atlantischen Metallhandel bezogen werden mußten. Da sich aber mit Bronze, wie beide "Voelker" aus ihrem Ursprung im atlantischen Reich wussten, hervorragende Geschaefte machen liessen, entwickelte sich der neue Handel sehr positiv. Die Karums als Teffpunkte der Haendler beider "Voelker" wuchsen und gediehen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Lage und Bauweise dieser Handelsstaedte.

Sie wurden auf Plaetzen angelegt, die auch schon frueher Siedlungen getragen hatten, was beweist, daß es sich um von der Natur beguenstigte Orte handelte. Die Abkoemmlinge der atlantischen Staaten hatten erwiesenermaßen fast immer, auf Grund ihres alten Wissens, Erfolg bei der Wahl von Siedlungsplaetzen, die dem Zweck der Stadt angemessen waren. Diese Staedte lagen alle in offenem Gelaende, meist bei einem von allen Seiten zugaenglichem Huegel, auf dem sich das politische und religioese Zentrum befand. Sie waren meist kreisfoermig oder oval angelegt, um eine moeglichst kurze Stadtmauer zu ermoeglichen. Beide Merkmale erinnern deutlich an das von Platon beschriebene urspruengliche Atlantis-Tharsis.

Die Stadtmauern waren mit Tuermen versehen und hatten eine Dicke bis zu sechs Metern. Manchmal gab es unter ihnen geheime Gaenge, sogenannte Poternen, die in atlantischer Kragbauweise errichtet wurden. Solche Poternen sind auch aus dem atlantisch bestimmten Ugarit bekannt. Sie dienten dazu, bei Belagerungen nicht voellig von der Aussenwelt abgeschnitten zu werden oder auch, um Ausfaelle auf die Belagerer zu machen. Der Durchmesser dieser Staedte betrug nur 500 bis 700 Meter. Bei großem Andrang von Handelskarawanen mußten sicher etliche vor der Stadt ihr Lager aufschlagen. Aber sie boten doch eine nicht zu verachtende Sicherheit fuer die kostbaren Handelswaren wie Kupfer, Zinn, Silber , Gold und Edelsteine, um nur einige zu nennen.

Innerhalb der Staedte gab es keine besondere Ordnung. Man baute ohne Plan in buntem orientalischen Durcheinander, so wie vielleicht im Anfang die Zelte aufgestellt waren. Dies beweist, daß es sich hier um Staedte handelt, die ausschließlich dem Zweck des Zusammentreffens der Haendler geschaffen wurden. Entsprechend einfach wurden auch dann die festen Haeuser gebaut. Auf einem Fundament von Bruchsteinen errichtete man die Mauern aus Lehmziegeln oder errichtete eine Holzkonstruktion, deren Zwischenraeume mit Lehmziegeln gefuellt wurden. Diese Bauweise ermoeglichte dann auch den Bau von mehreren Stockwerken.

Die erste Bluetezeit dieser Staedte waehrte von 1910 - 1830 v. Chr. Darauf gab es eine Zeit der Stagnation, der eine zweite Bluete von 1815 - 1782 v. Chr. folgte. Danach wurden alle Handelsniederlassungen zerstoert. Eine Ursache dafuer ist zur Zeit noch nicht erkennbar. Moeglicherweise waren die von Norden allmaehlich einwandernden Menschen, die sich spaeter Hethiter nannten, und eine von ihnen getragene neue Politik der Grund dafuer, daß das Interesse an dem Handel mit den suedlichen Nachbarn erlahmte. Wahrscheinlicher aber ist, daß die Kupfererzlager erschoepft oder nur noch sehr schwer abbaubar waren und man deshalb eine gute Technologie zur Gewinnung hochwertigen Eisens entwickelt hatte, die anfangs nur den Hethitern bekannt war und streng geheim gehalten wurde.

Dank dieses Wissens und der mit ihm hergestellten guten Waffen aus Eisen, die den alten Bronzewaffen an Festigkeit, Haerte und Schaerfe ueberlegen waren, gelang es den Hethitern in relativ kurzer Zeit ein beachtliches Reich aufzubauen.

Um 1750 v. Chr. lebte in der Stadt Kuschschar, die wahrscheinlich in Mittel- oder Ostanatolien lag, ein Koenig Anitta, der die Stadt Hattuscha eroberte und verbrannte und darueber hinaus die Vorherrschaft über eine grosse Zahl der in diesem Raum lebenden Kleinkoenige errang

. Woher kamen diese neuen Menschen, die schon bald das Gesicht des vorderen Orients mitpraegen wuerden. Es gibt Hinweise dafuer, daß sie wie ihre Vorgaenger, die Hattier, aus dem westlichen atlantischen Bereich, ja vielleicht aus dem Kernland Iberien selbst stammten. In der feierlichen Anrufung in einem Ritual, das zur Zeit des Hethiterkoenigs Muwatalli um 1300 v. Chr. noch verwendet wurde, steigt die Sonne jedenfalls aus dem Meer empor, und das ist im ganzen kleinasiatischen Raum nicht moeglich, aber sehr wohl an der Ostkueste Spaniens zum Beispiel in der Gegend von Almeria. Diese Gegend trug nachweislich eine sehr alte Kultur , die nach der Erschoepfung der Silberminen aber weitgehend aufgegeben wurde. Die Anrufung beginnt mit den Worten :

Des Himmels Sonnengott, der Menschheit Hirte !
Du steigst aus dem Meer empor, des Himmels Sonne !
Hinauf zum Himmel wanderst du dahin
Des Himmels Sonnengott, mein Herr ! Dem Menschenkind,
dem Hund, dem Schwein, dem wilden Tier des Feldes
sprichst Recht du, Sonnengott, Tag fuer Tag !(20)

Auch aus der altindischen Tradition des Hinduismus- Brahmanismus , die, wie wir noch sehen werden, auf den alten atlantischen Traditionen beruhen, sind derartige Beziehungen zu der aus dem Meer aufgehenden oder im Meer versinkenden Sonne bekannt. Auch sie sind heute fuer Indien gegenstandslos und passen nur auf das Ursprungsland dieser Traditionen "die Insel" Iberien, die eine lange West- und Ostkueste hat. Aus beiden Religionsaeusserungen kann man aber entnehmen, daß der Himmelsgott, der sich in der Sonne manifestierte, eine bedeutende Rolle in der Religion der Atlanter spielte. Der Versuch der Wissenschaftler, aus der Sprache der Einwanderer einen Hinweis auf ihre Herkunft geben zu koennen, fuehrte zu dem Ergebnis, daß man sich lediglich einig ist, daß das Hethitische zum indoeuropaeischen Kreis der Kentumsprachen gehoert, die im Westen beheimatet sind. Auch dies wuerde auf Iberien, aber auch auf andere westliche Laender passen.

Um naemlich das scheinbare Chaos fuer die Ursprungsforscher vollstaendig zu machen, stellte der Schweizer Sprachforscher Emil Forrer schon 1919 fest, daß in den Tontafelarchiven der Hethiter nicht weniger als acht Sprachen verwendet wurden : Das Sumerische, das Akkadische, das Hethitische, das aus dem "Urindischen" stammende Harrische, das Protohattische, das Luvische und das Balaiische. Das scheinbare Chaos klaert sich aber, wenn man anerkennt, daß die ersten beiden Sprachen der neuen Heimat der Hethiter zugehoerig waren, die uebrigen sechs aber von aus dem atlantischen Bereich stammenden Voelkern gesprochen wurden, die sich spaeter in den verschiedensten Gegenden Asiens ansiedelten. Offenbar stammten die Einwanderer nach Anatolien nicht nur aus einer Quelle im atlantischen Reich, sondern kamen aus vielen Bereichen. Das Land der Hattier galt wahrscheinlich zur damaligen Zeit als eine Art "El Dorado" oder als eine Art archaisches "Kalifornien des Goldrausches", in dem man schnell zu Reichtum gelangen konnte. Dass die Einwanderer noch eine Zeitlang an ihrer alten Sprache festhielten, ist eine fuer Einwanderungslaender auch heute noch typische Erscheinung.

Die Gruendung des althethitischen Reiches kann man um 1750 v.Chr.datieren. Das von Koenig Anitta dabei zerstoerte Hattuscha wurde um 1600 v. Chr. wieder aufgebaut und wuchs zur Hauptstadt eines neuen Reiches heran, das seinen Machtbereich zeitweise bis an die Grenzen Aegyptens und Babylons ausdehnte. Es dauerte mit wechselnder Ausdehnung bis 1450 v. Chr. als der kriegsbesessene Schuppililiuma I es zu seiner groessten Ausdehnung und damit zum hethitischen Großreich emporkaempfte. Er stuerzte das suedlich gelegene , von den Churritern gegruendete Reich von Mitanni und eroberte nach langen Kaempfen das am Euphrat gelegene Karkemisch.

Von Aegypten wurde er als Vertreter einer respektablen, nahezu ebenbuertigen Grossmacht angesehen und erhielt deshalb von der Witwe Tutenchamuns ein Heiratsangebot fuer einen seiner Soehne. Nach einigem Zoegern und Einholung von Informationen ueber die Ernsthaftigkeit des Angebots, wurde dann auch ein Sohn nach Aegypten entsandt. Man ermordete ihn aber schon auf der Reise, denn in Aegypten hatte inzwischen eine neue Dynastie die Macht ergriffen, der derartige Heiratsplaene aeusserst suspekt waren. Der Ermordung des Prinzen fuehrte dann zum Krieg mit Aegypten, der sich laengere Zeit mit Grenzstreitigkeiten hinzog, bis im Jahr 1285 v. Chr. der Pharao Ramses II - im fuenften Jahr seiner 66 jaehrigen Regierungszeit - dem ein Ende zu machen suchte und mit einem grossen Heer gegen die Hethiter zog. Es kam noerdlich von Damaskus zur großen Schlacht von Kadesch, nach der beide, nach unentschiedenem Ausgang und beiderseitigen riesigen Verlusten, behaupteten, der Sieger zu sein.

Der Krieg zog sich darauf im vorherigen Stil weiter hin, bis im Jahr 1269 v. Chr. die Einsicht siegte und einer der aeltesten Nichtangriffspakte geschlossen wurde. Die Silbertafeln, auf denen er urspruenglich geschrieben wurde, sind verloren, aber auf aegyptischen Tempelwaenden und hethitischen Tontafeln ist sein Text erhalten geblieben. Es kam dann auch doch noch zu einer ehelichen Verbindung der beiden Reiche, denn im 34. Regierungsjahr heiratete Ramses II die aelteste Tochter Hattuschilis´ III. Sie erhielt in Aegypten den Titel :"Des großen Koenigs Gattin, Herrin der beiden Laender, Matnefrure, Tochter des grossen Fuersten von Hatti" und war damit nicht nur eine von vielen Nebenfrauen.

Die nun bald einsetzenden Wirren der Wanderung der Seevoelker verwischten die weitere Geschichte des Reiches Hatti. Offenbar schlossen sich die hier ansaessigen Menschen, wahrscheinlich nach anfaenglichen Widerstandsversuchen, der großen Welle der hereinstroemenden stammverwandten atlantischen Voelker an, und teilten ihre weitere Geschichte.

Geblieben sind von diesem ersten Reich atlantischen Ursprungs auf asiatischem Boden die bereits beschriebenen Funde aus den Graebern seiner Fuersten und die großartigen Ruinen der Hauptstadt Hattuscha in den Bergen von Bogazkale, ca 150 Km oestlich von Ankara. Ihre maechtigen Grundmauern von Tempeln, Palaesten, Wohnhaeusern und Magazinen bilden einen einzigartigen Zusammenklang mit der umgebenden Landschaft, und ihre erhalten gebliebenen ueberlebensgroßen Skulpturen an den Toranlagen der Stadtmauern und die in den Fels gehauenen Reliefs des Heiligtums von Yazilikaja sind noch heute ein Erlebnis einzigartigen Ranges.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
Neuerscheinung Anfang 2004, TRIGA-VERLAG, Hardcover, 270 Seiten, Eur 19,80

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