
1.)Klima und Anstieg des Meeresspiegels in Mitteleuropa (12a)
von Karl Juergen Hepke
2.)Aenderungen des Klimas im vorderen Orient
In dieser Zeit gab es im deutschen Raum noch den Waldelefanten, der nachweisbar bereits durch Menschen bejagt wurde. Das Klimaoptimum dieser Zeit lag etwas ueber dem heutigen Temperaturniveau.
Die nachfolgende Weichselkaltzeit dauerte mit ca 100 000 Jahren laenger als alle vorangegangenen.
Ihre kaelteste Zeit lag um 18 000 v. Chr. Die Gletscher drangen damals bis in den Raum Hamburg vor.
Ihre Schmelzwaesser bildeten das Elbe-Urstromtal. Es war der Abfluss fuer alles Schmelzwasser bis in den
baltischen Raum und erreichte eine Breite von 10 bis 30 Km.

Die Elbe stellte damit eine nahezu unueberwindliche noerdliche Grenze Mitteleuropas dar und trug damit
moeglicherweise zu der antiken Vorstellung bei, dass die Erde auch im Norden durch den Ozean begrenzt sei.
Um 11 000 v. Chr. endete die Kaltzeit relativ schnell im sog. Boelling-Interstadial und ging nach einer Abkuehlungsphase in das Alleroed-Interstadial ueber, in dem die mittlere Jahrestemperatur ueber der heutigen lag.
In dieser Zeit dehnte sich die Kultur des Magdalenien mit einer relativ dichten Besiedlung nach Deutschland aus. Auf Grund der gewaltigen abfliessenden Schmelzwassermassen erreichte die Elbe in dieser Zeit ihr groesstes Wasservolumen.
Das Magdalenien wurde durch eine erneute Kaltzeit beendet, die wahrscheinlich die Folge eine gewaltigen Asteroideneinschlags in den westlichen Atlantik war. Er hatte eine Polverschiebung und die weltweite Katastrophe der Sintflut zur Folge. Durch die Ueberflutung ganz Norddeutschlands mit Meerwasser wurde alle Waldvegetation und alles tierische und menschliche Leben in diesem Raum vernichtet und nahezu alle Spuren von Besiedlung ausgeloescht.
Auf Grund der anfaenglichen Versalzung des Bodens durch das Meerwasser konnte sich anschliessend nur eine karge Steppenvegetation mit der Silberdistel (Dryas) ansiedeln, die nach Auswaschen des Salzes durch Regenfaelle in eine Strauchtundra und ab ca 8250 in Wald ueberging.
Um 4200 v. Chr. hatte die Nordsee auf Grund des durch Erwaermung und Polverschiebung ansteigenden Meeresspiegels das Elbe-Wesergebiet erreicht. Ihr aeltester Ueberflutungskontakt liegt 14,4 m unter der heutigen Oberflaeche im Lande Wuerden.
Waehrend der nachfolgenden warmen Zeit des Atlantikums
bis 3200 v. Chr. erreichten drei Vorstoesse der Nordsee die Hadelnder Bucht und den Bederkesaer See
und drangen damit mehr als 20 Km weiter in das Land ein als heute. Ein weiterer Vorstoss erfolgte um
2500 v. Chr. Bis in dieses Gebiet reichte die See auch in der Zeit des Eem-Meeres, in der die mittlere
Jahrestemperatur aehnlich hoch wie zur Zeit des Atlantikums lag.

Der zunaechst schnelle Anstieg des Meeresspiegels begann sich ab 2500 v.Chr. zu verlangsamen und wurde
zeitweise durch Eindellungen
in der Anstiegskurve unterbrochen. Die erste dieser Eindellungen liegt vor 2000 v. Chr. und koennte mit dem
Meteoriteneischlag von Aorounga in der Sahara zusammenhaengen, der eine weltweite Klimaverschlechterung zur
Folge hatte und die warme Zeit des Atlantikums in Mitteleuropa beendete.
Um diese Zeit zog sich die Nordsee zurueck und auf Grund der mit der Klimaverschlechterung einhergehenden
reichlichen Niederschlaege bildeten sich in den Niederungen Torfe, die nach Fortsetzung des Anstiegs
mit Schlick bedeckt wurden. Diese Torfe reichen zum Teil weit seewaerts und bezeugen damit erhebliche
Veraenderungen der Uferlinie. Sie geben Fixpunkte zur Erstellung der Kurve der Meeresspiegelveraenderungen
und lassen Rueckschluesse auf das Klima zu.

Die naechste grosse Eindellung der Anstiegskurve findet sich um 1200 v. Chr.. Sie reicht bis etwa 600 v. Chr., steigt
dann schnell wieder an und erreicht damit nahezu wieder die alte Anstiegskurve. Sie ist der Hinweis auf einen
Meteoriteneinschlag in den oestlichen Atlantik vor Iberien, der zu einer Klimaverschlechterung und zum
katastrophalen Untergang aller an der Kueste gelegenen Staedte und Siedlungen
durch eine Flutwelle fuehrte.

Es folgen weitere Eindellungen um 300 v. Chr., um 600 n. Chr. und um 1200 n. Chr. Die Eindellung
um 300 v. Chr. und die durch sie angezeigte Klimaverschlechterung war moeglicherweise der Grund fuer die
Cimbern ihre Heimat in Daenemark und Norddeutschland zu verlassen und nach Sueden zu ziehen.
Die Eindellung von 600 n.Chr. und die darin angezeigte Klimaveraenderung veranlasste moeglicherweise die Sachsen zu grossen Teilen nach England ueberzusetzen, um dort zusaetzlichen Boden für die Ernaehrung des Volkes zu gewinnen.
Die Eindellung von 1200 n. Chr. endete in einem schnellen Anstieg des Meeresspiegels um 1300 n.Chr. der in Verbindung mit grossen Sturmfluten um 1350 grosse Teile des Kuestenbereiches ein Opfer der Fluten werden liess.

Heute hat sich der natuerliche Anstieg des Meeresspiegels der Nordsee auf etwa 25 cm
pro Jahrhundert stabilisiert. Der Einfluss der durch den Menschen verursachten Erderwaermung ist
darin aber noch nicht enthalten.
nach: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser. Stade 1995 (12a)
Aus der Umgebung des Toten Meeres am Ende des Tals des Jordans wurden aus ehemals vom Meer bedeckten, heute aber
trocken liegenden Sedimentschichten Schichtungssaeulen entnommen, die aus der Zeit ab 7000 v.Chr. bis 2000 n. Chr. stammen.
Die Datierung erfolgte nach in den Schichten gefundenen Holzstueckchen von Zweigen.
Die Schichten wurden im Geologisch Palaeontologischen Institut der Universitaet Bonn (Deutschland) auf darin
enthalten Pollen und deren Haeufigkeit untersucht, um daraus Rueckschluesse auf das Klima im Raum des oestlichen Mittelmeers und speziell
in der vom Jordan durchflossenen Klimazone zu ziehen.
Dazu wurden aus den einzelnen Schichten Bodenproben entnommen , in einem komplizierten Verfahren die darin enthaltenen Pollen
herausgewaschen und ihre Art und Menge bestimmt. Als kennzeichnend fuer das vorherrschende Klima wurde zum einen der Pollen des
Olivenbaums fuer feuchtes Klima und zum anderen der Pollen der Achillaea fragrantissima, einer Schafgarbenart, fuer trockenes Klima
ausgewaehlt und in ihrem Mengenverhaeltnis dargestellt.
Das Ergebnis sind die folgenden Bilder:
Interessant ist dann die tiefe Eindellung bei 2300 v. Chr., die wahrscheinlich auf den Asteroideneinschlag von Aorounga in der Sahara zurueckzufuehren
ist. Er verursachte eine merkliche Abkuehlung des Klimas und fuehrte zur ersten grossen Einwanderungswelle in den vorderen Orient. (Hyksos)
Die gestiegene Bevoelkerungszahl bewirkt darauf weitere Anlage von Oelbaumkulturen, die zu dieser Zeit ihr Allzeitmaximum mit entsprechender Pollenhaeufigkeit erreichen.
Kriegerische Auseinandersetzungen lassen in der folgenden Zeit die Anpflanzungen wieder auf das Normalniveau zurueckfallen.
Exakt um 1250 v.Chr.folgt der naechste grosse Einbruch, der sich , allmaehlich wieder ansteigend, bis etwa 700 v.Chr. hinzieht. Ab 700 v.Chr. bis etwa 0 steigt
das Niveau dann nahezu wieder auf die Hoehe vor dem grossen Einbruch, also dem Normalniveau.
Dieser plötzliche Einbruch um 1250 v.Chr. kann nur durch eine abrupte Aenderung der klimatischen Bedingungen fuer das Wachstum und die Bluete
der Oelbaeume verursacht worden sein. Dafuer kommt nur in Frage eine ploetzliche Abkuehlung, verbunden moeglicherweise mit verstaerkter Wolkenbildung
und erheblichen Regenfaellen, welche die Bluete der Baeume und den Pollenflug empfindlich behindern. Eine ploetzliche erhebliche Erwaermung , die derartige
Auswirkungen hat, ist klimatisch und biologisch praktisch nicht vorstellbar.
Das ab 1200 v.Chr. erfolgende Eindringen der Seevoelker und die damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen, die auch zu erheblichen Schaeden
an den Baumkulturen zur Gewinnung von Brennholz in der Kaelteperiode und spaeter Bauholz fuer den Wiederaufbau fuehren, sind moeglicherweise
darueberhinaus Ursache fuer die langandauernde Schwaecheperiode der Oelbaumpollen.
Die bei der Untersuchung ebenfalls betrachtete Haeufigkeit der Pollen der Schafgarbe, einer Pflanze, die auch auf trockenen Boeden noch relativ gut gedeiht,
laesst gegenueber den Oelbaumpollen weit weniger Rueckschluesse auf die Umweltbedingungen zu.
Es handelt sich dabei um ein schnell wachsendes und
sich veraenderten Bedingungen schnell anpassendes Wildkraut, das sofort frei werdende, nicht mehr kultivierte Flaechen erobert und von vermehrter Feuchtigkeit,
vor allem auf sonst zu trockenen Flaechen, nur profitiert. Auch die Bluete und damit die Pollenbildung ist in der Lage, auch kurzfristige Schoenwetterperioden
flexibel auzunutzen. Die zunehmende Pollenhaeufigkeit dieser Pflanze in Zeiten, in denen die Oelbaumpollen zurueckgehen, muss deshalb nicht zu dem Schluss fuehren,
dass es in diesen Zeiten extrem trocken und heiss war, was von einigen Experten bisher noch angenommen wird.
Bei dieser Annahme spielt anscheinend eine gewisse Vorstellungstendenz, die auf der Tatsache der heutzutage allgemein zu beobachtenden fortschreitenden Austrocknung
und Erwaermung der noerdlichen Bereiche der Erde, verbunden mit dem oben erwaehnten Anstieg des Meeresspiegels, eine gewisse Rolle.
Da in der kurzen Zeit, in der die moderne Wissenschaft existiert , kein nennenswertes Ereignis stattfand, das eine plötzliche Klimaverschlechterung verursachte,
sind die damit verbundenen Erscheinungen wenig bekannt und werden deshalb weniger in Betracht gezogen.
Abschliessend kann deshalb gesagt werden, dass sowohl die Erscheinungen an der europaeischen Nordseekueste wie auch die Erkenntnisse aus Pollenauswertungen
im Bereich des oestlichen Mittelmeerraums zeigen, dass exakt um 1250 v.Chr. , wahrscheinlich bedingt durch die Atlantiskatastrophe,
eine abrupte erhebliche Verschlechterung des Klimas eintritt, die, sich langsam
abschwaechend, bis ca 700 v.Chr. anhaelt und dann wieder dem Normalniveau zustrebt. Die genannte Klimaverschlechterung loeste eine grosse Wanderungsbewegung
der noerdlichen und westlichen Voelker in den oestlichen Mittelmeerraum aus. Sie ist aus der Geschichte Aegyptens als der Einfall der "Seevoelker" bekannt.
(Pollendiagramme nach TV-Programm "ARTE", Sendung:"Auf den Spuren der Seevoelker", Sept.2007)

Da es sich beim Olivenbaum um eine Kulturpflanze handelt, die vom Menschen sehr geschaetzt und deshalb in Baumkulturen gefoerdert wird,
muss neben dem Einfluss des Klimas auch der Einfluss des Menschen auf seine Verbreitung gesehen werden. Ganz klar ist deshalb im oberen Bild
der Beginn der Kultivierung des Olivenbaums durch den Menschen ab etwa 4300 v.Chr. in einer starken Zunahme seiner Pollen zu erkennen.
Die in dieser Zeit herrschende Warmzeit des Atlantikums hat sich hingegen nicht negativ, sondern eher foerderlich ausgewirkt.