Der Planet Mars und seine Eignung fuer eine Besiedlung (9)

Es gibt auf dem Mars Strukturen, die irdischen Stroemen , Fluessen oder Ueberflutungsrueckstaenden gleichen. Davon gibt es drei Arten : Ausflusskanaele, Abflusskanaele und Kanaele in Form von langgezogenen Furchen, die sich mit den Kenntnissen, die man von der Erde hat, zur Zeit noch nicht erklaeren lassen. Die Abflusskanaele erinnern an irdische Stromtaeler, weisen jedoch die Eigenart auf, dass die Nebenfluesse meist eine Zeitlang nahezu parallel zum Hauptstrom verlaufen, bevor sie sich mit diesem vereinen. Die Taeler sind steil abfallende Schluchten. Die Boeden der Taeler sind flach. Auf den Boeden finden sich bisher kaum Hinweise, dass dort einmal Wasser geflossen ist. Die Abmessungen dieser Kanaele sind gigantisch. Sie sind bis zu 4000 Km lang, 700 Km breit und 6 Km tief.

 
Da die Strukturen eindeutig auf das Fliessen von Wasser und nicht auf das Fliessen von Lava hinweisen, ist wahrscheinlich, dass das Wasser in diesen Gebieten unterirdisch geflossen ist, und die Taeler sind spaeter darueber eingebrochen. Da der Mars von einer dicken Schicht von poroesem Gestein bedeckt ist, kann sich leicht vorhandenes Wasser in unterirdischen Systemen sammeln und unterirdisch abfliessen. Auf der Erde gibt es, allerdings in viel kleinerem Massstab, aehnliche Verhaeltnisse an den Raendern der Gebirge des persischen Hochlandes. Die unterirdischen Kanaele werden dort von den Menschen in uralter Tradition gefoerdert und instandgehalten und zur Bewaesserung der Gaerten und Felder in der Naehe der Ortschaften benutzt.

Die Abflusskanaele finden sich in den alten, stark verkraterten Gebieten des Mars. Diese sind alle aelter als 3,8 Millionen Jahre, und es ist kein Problem, sich vorzustellen , dass innerhalb dieses langen Zeitraums auf dem Mars einmal paradiesische Verhaeltnisse geherrscht haben. Dass es Fluesse und Meere gab und Wasser und Land mit Leben aller Art erfuellt war, das den Vergleich mit unserer Erde durchaus vertraegt. Da der Mars weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, ist der Anteil an Waermestrahlung, den er von dort erhaelt, entsprechend geringer. Man hat errechnet, dass der Energieeintrag etwa 30% niedriger ist als auf der Erde. Dies waere aber leicht kompensierbar durch eine veraenderte Zusammensetzung der Atmosphaere. Ein hoeherer Anteil an Kohlendioxid wuerde zum Beispiel den aus der heutigen Umweltdiskussion bekannten Treibhauseffekt bewirkt haben, was zu einer ausreichenden Erwaermung gefuehrt haette. Auf dem Mars waeren damit optimale Waermeverhaeltnisse zu erreichen, waehrend sie auf der Erde zu einer viel zu aktiven Atmosphaere fuehren wuerden , die sich in verheerenden Unwettern, Wirbelstuermen und Flutkatastrophen entladen wuerde. In der Geschichte der Erde hat es diese Verhaeltnisse schon gegeben, nur menschliches Leben in der Form , wie wir es aus der geschichtlichen Zeit kennen , waere damals nicht moeglich gewesen. Ausserdem gibt es auch bei den heutigen Verhaeltnissen auf der Erde grosse Gebiete, in denen der Mensch besser leben koennte, wenn der Energieeintrag geringer waere.

Die urspruenglichen Voraussetzungen zum Entstehen einer lebensfreundlichen Atmosphaere waren auf dem Mars nicht anders als auf der Erde. Auch der Mars verfuegt ueber einen glutfluessigen Kern, der fuer Vulkanismus sorgte. Die vielen Vulkankegel auf dem Mars beweisen es. Dieser Vulkanismus ist der primaere Lieferant fuer das Kohlendioxyd der Atmosphaere. Das Wasser lieferten, wie auf der Erde, einschlagende Kometen, ausserdem konnte das Marsgestein selbst erhebliche Wassermengen abgeben. Mit dem Vorhandensein von Waerme, Wasser und Kohlendioxyd waren die Voraussetzungen zum Entstehen von stofflichem Leben gegeben, das sich aehnlich, wie von der Erde bekannt, entwickeln konnte. Auf Grund der Bilder, welche die verschiedenen Marssonden bisher lieferten, hat man weitere Wasserlaeufe juengeren Datums entdeckt. So zum Beispiel auch an den Berghaengen der noerdlichen sogenannten "Tharsis" - Vulkane und an den Flanken des "Alba - Paterna". Sie sind offenbar durch auf der Oberflaeche abfliessendes Wasser entstanden und ihr Alter betraegt hoechstens zweieinhalb Milliarden Jahre, es koennen aber auch nur fuenfhundert Millionen sein.

Ganz sicher ist man sich in dem Nachweis von vorhandenem Wasser in den Grenzbereichen der Hochlandflaeche des Suedens und den Tiefebenen des Nordens. Hier finden sich die sogenannten Abflusskanaele. Nach der zur Zeit von einigen Wissenschaftlern vertretenen Meinung handelt es sich dabei um Abflussvorgaenge , die in der sehr kurzen Zeit von Tagen in einer chaotischen Flutwelle stattgefunden haben. Aus den hierbei abgerissenen Gesteinsmengen hat man eine dabei fliessende Wassermenge von siebeneinhalb Millionen Kubikkilometer Wasser errechnet. Sie wuerde ein den ganzen Mars umspannendes fuenfzig Meter tiefes Meer ergeben.

Aus anderen Berechnungen, die am NASA Ames Research Center in Kalifornien gemacht wurden, geht hervor, dass das Wasser, das der Mars selbst in seiner fruehen Geschichte ausgaste einen 160 Meter tiefen globalen Ozean ergeben haette. Dies ist zwar etwa nur ein Zweihundertstel der Wassermenge der Erde, aber doch noch eine beachtliche Menge. Man nimmt an, dass auch heute noch ein grosser Teil davon als Eis verborgen unter der Oberflaeche liegt. Wenn dieses Eis jetzt durch einen schnellen Prozess mit hoher Energieentwicklung sehr schnell erhitzt wird, geraet das ganze Umfeld in Bewegung. Das Eis schmilzt und verwandelt sich in Wasser. Die auf dem Eis lagernden Gesteinsmassen brechen ein und sinken auf den Boden. Dabei verdraengen sie das Wasser, das schlagartig herausgeschleudert wird und in wildem Lauf, dem natuerlichen Gefaelle des Gelaendes folgend, abfliesst, wobei es alles , was im Wege ist, mit sich fortreisst. Es entsteht eine Landschaft, die auf dem Mars als "chaotisches Terrain" bezeichnet wird. Als Ursache des ploetzlichen Aufschmelzen des Eises koennen Vulkanausbrueche oder der Einschlag groesserer Meteoriten in Frage kommen.

Auch ein langsames Aufschmelzen durch Absinken des Eises in die Tiefe und schmelzen durch die innere Marswaerme ist denkbar. Hier sind ebenfalls ploetzliche Einbrueche unter Herausschleudern grosser Wassermassen vorstellbar. Auch das Aufbrechen von Eisbarrieren kann erhebliche bis dahin aufgestaute Wassermassen freisetzen, die dann alles verwuestend durch die Landschaft brausen . In den noerdlichen Gegenden Kanadas und der USA hat es vor mehr als 10000 Jahren ( also zur Zeit der Polverschiebung um 3000 Km nach Norden -von Europa aus gesehen-), vereinzelt derartige Sturzfluten gegeben . Die Wassermassen nahmen dabei einen Weg, der bereits durch bestehende Taeler gegeben war, jedoch durch die heranbrausenden Fluten und das mitgefuehrte Material bis zu 200m tiefer ausgewaschen wurden.

Es existieren auf dem Mars auch eine Vielzahl von Senken, in denen sehr feines Material abgelagert wurde. Sie aehneln ausgetrockneten Seen auf deren Grund tonartige Sedimente liegen. Auch dieses deutet auf das einstige Vorhandensein von Wasser hin. Auf Grund der Messungen einer Marssonde vermutet man heute Wasser nahe an der Oberflaeche des "Solis Lacus". Dies ist eine grosse Senke in der 1973 ein gewaltiger Sandsturm stattfand. In den von der Marssonde aufgefangenen Partikeln dieses Sturmes befand sich ueberraschend viel Wasser. Auf Grund all dieser Feststellungen kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, dass es unterirdisch auf dem Mars noch ganze Wasserzirkulationssysteme gibt, und zwar dort, wo Wasserreserven und vulkanische Aktivitaet zusammentreffen, wo das Wasser also durch die innere Waerme des Mars in fluessiger Form vorliegt.

In den achtziger Jahren wurde in amerikanischen geologischen Instituten entdeckt, dass die Taeler des Mars und zwar besonders das riesige "Valles Marineris" mit bis zu 7000m maechtigen Sedimenten bedeckt sind . Weitere Untersuchungen und Analysen von Aufnahmen fuehrten zu dem Schluss, dass es sich zum grossen Teil um die Sedimente eines riesigen Sees handeln muss, die wahrscheinlich zum grossen Teil aus Karbonaten bestehen. Eine Analyse aus dem Orbit heraus ist aber nicht moeglich, weil der Boden mit einer dicken Staubschicht zugedeckt ist. Eine gewisse Bestaetigung dieser Ansicht brachten die Karbonate, die sich in dem beruehmten Marsmeteoriten ALH 84001, der 1984 in der Antarktis gefunden wurde, befanden. Diese Erkenntnis schlug in der Wissenschaft wie eine Bombe ein, denn unzaehlige Skeptiker hatten immer wieder die Moeglichkeit jeglichen Lebens auf dem Mars verneint, und die Befuerworter dieser Moeglichkeit als Spinner und Phantasten abgetan. Sie war der Anfang einer sehr intensiven wissenschaftlichen Beschaeftigung mit dem Mars und fuehrte zur Forcierung der Marsforschungsprojekte, die unter anderem auch die hier angefuehrten Erkenntnisse brachten.

So brachten auch Farbanalysen von Photos des Bodens des Valles Marineris , die von den Marssonden Viking und Phobus gemacht wurden, die Erkenntnis , dass sich in Spalten des Gesteins kristalline Eisenoxide gebildet haben, wie sie nur in stehenden Gewaessern vorkommen. Die Sedimentmenge in diesem genannten See im Valles Marineris wurde zu 129000 Kubikkilometern berechnet. Eine Menge, die den gesamten Mars mit einer 90 Zentimeter dicken Schicht bedecken koennte. Der groesste bekannte irdische See, der sich vor 37 Millionen Jahren in Wyoming ausdehnte, brachte es dagegen nur auf 20000 Kubikkilometern in vier Millionen Jahren.

Alle bisher durchgefuehrten Untersuchungen von Meteorsteinen vom Mars, von Marsgestein auf dem Mars und von Photos der Marsoberflaeche aus der Ferne und aus der Naehe weisen darauf hin, dass man in absehbarer Zeit, das heisst, wenn die Ergebnisse der laufenden und geplanten Marsmissionen ausgewertet sind, sicher wissen wird, dass es auch heute noch primitives Leben auf dem Mars gibt. Ob auch die Frage nach frueherem, auch hoeherentwickeltem Leben, in einer mit der Erde vergleichbaren Form eine Antwort findet, bleibt abzuwarten. Wenn man bedenkt , dass selbst auf der uns seit langem zugaenglichen Erde die Kenntnis von der Vergangenheit und der menschlichen Entwicklung noch sehr lueckenhaft ist, und die Fragen nach der Entstehung des Lebens gegenwaertig in Abstaenden von Jahrzehnten immer neue Antworten finden, kann man wohl mit Recht erwarten, dass die Wissenschaft und die Weltraumtechnik zur Zeit mit dieser Frage noch ueberfordert sind und noch eine laengere Zeit benoetigen, bis sie darauf eine brauchbare Antwort geben koennen.

Voraussetzung fuer die Klaerung dieser Frage waere mit Sicherheit die bemannte Raumfahrt zum Mars in einer relativ fortgeschrittenen Form. Es waere naemlich erforderlich, groessere interessante Flaechen mit Fahrzeugen zu erkunden und an interessant erscheinenden Stellen Bohrungen und Ausgrabungen durchzufuehren. Doch auch dabei bliebe fraglich, ob man an den richtigen Stellen forschte. Nuetzlich koennten neuzuentwickelnde Ortungsgeraete sein, die durch meterdicke Ablagerungsschichten hindurch Strukturen im Untergrund erkennen liessen, denn die heute zugaengliche Marsoberflaeche ist bei Untersuchung mit den bisher bekannten Mitteln wenig aussagefaehig. Diese Geraete koennten natuerlich auch fuer archaeologische Untersuchungen auf der Erde sehr nuetzlich sein. Voraussetzung fuer die effektiv und ungestoert durchzufuehrende Raumfahrt zum Mars, waere aber selbstverstaendlich eine Einigung und nicht eine Konfrontation mit den Kraeften, die zur Zeit noch die Sammlung weiterer Daten ueber den Mars zu behindern scheinen, wie im vorangegangenem Kapitel dargestellt wurde.

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