Die Entwicklung der Stadt Troja nach den archaeologischen Befunden ( 3a)

von Karl Juergen Hepke

Die Besiedlung der oestlichen Seite des verkehrsmaessig wichtigen Eingangs zu den Dardanellen beginnt nach den heutigem Stand des Wissens um 4800 v. Chr. mit einer Siedlung auf dem Kumtepe, einem Huegel kurz vor der Einmuendung der Dardanellen, der ca 1 Km vom Meer entfernt liegt. Dieser Ort war guenstig fuer die Ernaehrung der Siedler vorwiegend mit Austern und Fischen. Die Siedler kennen bereits das Kupfer und erzeugen eine schoen verzierte Keramik. Ihre Siedlung existierte bis ca 4500 v. Chr. .

Um 3700 v.Chr.erscheinen neue Siedler mit sorgfaeltig geplanten und gebauten Haeusern mit Steinfundamenten, Fachwerk aus Holz und Lehmziegeln. Ausser Kupfer kennen sie bereits Blei und auch Bronze. Die Ernaehrung erfolgt zunehmend durch Haustiere, Ziegen, Schafe und als Neuerung wird das Wollschaf gezuechtet.

Troja I : Um 2920 Verlegung der Siedlung auf einen fuer Ackerbau und Viehzucht guenstiger gelegenen ca 30 m hohen Gelaendesporn im Hinterland ueber dem Zusammenfluss von zwei Fluessen. Die Entfernung zum Meer betraegt jetzt etwa 5 Km zu den Dardanellen und 6 Km zur Kueste der Aegaeis, ist also sicherer gegen ploetzliche Ueberfaelle von See her. Ausserdem bietet der neue Siedlungsplatz Quellen und fruchtbares Ackerland in der Flussebene. In der ca 8 Km entfernt an der Aegaeis liegenden Besik-Bucht gibt es Muschelbaenke, die weiterhin zur Ernaehrung beitragen.

Von Anfang an hat die neue Siedlung eine 2,5m dicke geboeschte Verteidigungsmauer aus 4m hohem Zyklopenmauerwerk aus unbehauenen Steinen. Die groesseren Zwischenraeume sind gefuellt mit kleineren Steinen und verschlossen mit Lehmmoertel. Sie wird von den Archaeologen als Troja I bezeichnet.


Die Haeuser sind uneinheitlich. Ab Troja Ib gibt es ein "Megaron", d.h. ein Haus mit Vorhalle, das ueblicherweise nur von wohlhabenderen und bedeutenderen Menschen bewohnt wurde. In der Mitte des Hauses befindet sich eine grosse offene Feuerstelle, ausgelegt mit flachen Steinen. Hinten rechts liegt eine weitere Feuerstelle, daneben befinden sich Gruben fuer Vorraete. An der gegenueberliegenden Laengswand ist der "Schlafbereich" mit "Betten" und einem "Doppelbett" auf Steinsockeln. Zwei weitere Megaronbauten , moeglicherweise Kultbauten, deren Groesse nicht mehr genau zu erkennen ist, lagen im Osten der Siedlung.

Die erzeugte Keramik ist handgefertigt, poliert, einfarbig schwarz, oliv oder grau . Die unterschiedliche Farbe entsteht je nach Sauerstoffzufuhr beim Brennen im offenen Feuer, das mit Hilfe eines Blasebalgs auf ausreichender Temperatur gehalten wird . Zum Kochen werden dreibeinige Toepfe verwendet, die direkt ins Feuer gestellt werden. Es gibt viele Gefaesse mit Schmuckelementen. Haeufig werden am oberen Innenrand Muster eingeritzt und mit weissem Kalk hervorgehoben z.B.: Zick.-Zack-Muster und Wellenlinien oder einfache menschliche Gesichter.

Es gibt Schalen mit hohen, hohlen Fuessen, teilweise mit Lochmuster, Dosen mit Stuelpdeckeln und Löchern zum festschnueren der Deckel und Schnabelkannen mit zum Henkel hin abgeschraegten Raendern. Es wurden ueber 60 verschiedene Gefaessformen gefunden.

Typisch fuer Troja sind die sogenannten "Spinnwirtel", die in grosser Zahl gefunden wurden. Grosse abgeflachte "Perlen" aus gebranntem Ton mit einem Loch in der Mitte. Sie wurden als Schwungscheibe beim Spinnen wie auch als Gewichte beim Weben verwendet und bezeugen die Herstellung von Textilien aus Wolle oder Pflanzenfasern. Ebenfalls dazu dienen Nadeln aus Knochen oder Kupfer. Mit verzierten Koepfen wurden sie auch als Verschluesse verwendet. Auch Knoepfe aus Ton wurden gefunden.

 
Zum Kult oder religioesen Braeuchen ist wenig bekannt. Vermutet werden Fruchtbarkeitskulte begruendet durch den Fund mehrerer Idole in Form eines weiblichen Koerpers mit ausladenden Hueften. Vor dem Suedtor stand eine steinerne Stele, die als Relief einen stilisierten Mann mit einer Waffe oder Aehnlichem zeigt.

Im Zuge der Weiterentwicklung ueber 200 Jahre wurden aus den Bauern Handwerker und Haendler, die per Schiff die noerdliche Aegaeis und das Marmarameer befuhren. Schliesslich reichten die Verbindungen uebers Meer bis nach Europa und ins westliche kleinasiatische Hinterland. Damit verband sich ein ungeheurer Aufschwung. Troja bekam im Sueden eine neue Aussensiedlung und wurde zu einem bedeutenden Herrschersitz. Dieser Aufschwung war nicht zuletzt das Ergebnis der Lage der Stadt am Eingang zu den Dardanellen. Troja profitierte naehmlich vom Zusammentreffen einer geologischen Besonderheit mit einer klimatischen und ihren Auswirkungen auf die Schifffahrt.

Die grossen Fluesse Donau,Dnepr und Don, die ins schwarze Meer muenden, sind alle recht wasserreich. Dadurch entsteht ein Ueberschuss an Suesswasser, der ins Mittelmeer abfliesst. Da Suesswasser leichter als Salzwasser ist, entsteht in den Dardanellen eine Oberflaechenstroemung in Richtung Mittelmeer. Ihre Geschwindigkeit kann bei Wind in der gleichen Richtung bis zu fuenf Knoten, d.h. 9 Km/h betragen . Der Durchschnitt liegt bei 2,5 bis 3 Knoten. In etwa 11m Tiefe wird die Stroemung durch eine stark salzhaltige in Richtung Schwarzes Meer kompensiert. Nun weht aber auf Grund der allgemeinen Grosswetterlage im Sommer zwischen dem Azorenhoch und dem suedwestasiatischen Monsun-Tief der Wind in diesem Gebiet ueberwiegend aus dem Norden. Damit ist es fuer ein Schiff mit schwachem Antrieb, und das waren die von Ruderern bewegten ueblichen Schiffe der Bronzezeit, nahezu unmoeglich die Dardanellen in Richtung Schwarzes Meer zu durchfahren, wenn ihm nicht der Wind zur Hilfe kommt. Mit Rueckenwind , Segel und Ruderhilfe bei Bedarf gelingt dies jedoch. Das hiess in der Praxis, dass es fuer Handelsschiffe mit Segeln bis in neuere Zeit noetig war, im Sommer vor der Einfahrt in die Dardanellen auf durch Kleinwetterlagen hervorgerufenen, zeitlich begrenzten ,aus suedlichen Richtungen wehenden Wind zu warten. Der geeignete Ort hierfuer war die Besik-Bucht, ca 10 Km von Troja entfernt und damit im Machtbereich der Stadt, der es moeglich war , ueber Zoll- und Liegegebuehren vom zunehmenden Handel zu profitieren und den Handel zu kontrollieren.

So entwickelt sich ab 2600 v.Chr.aus Troja I Troja II.Die Befestigungsmauer wird erweitert und erhaelt neue Tore und Verteidigungstuerme. Die Mitte des Huegels wird erhoeht und ein neues Plateau geschaffen. Darauf wird eine fuerstliche Residenz mit Megaronbauten errichtet. Die Befestigungsmauern sind jetzt bis 8,5 m hoch und aus teilweise behauenen Steinen errichtet. Darauf befindet sich ein Lehmziegelaufbau von 4m Hoehe und Dicke. Drei teilweise sehr aufwaendig gebauteTore fuehren in die Befestigungsanlage. Zum Suedwesttor fuehrt eine Rampe.


Es gibt erhebliche Fortschritte in der Toepferei und in der Metallbearbeitung.

Ab Troja II b gibt es die Toepferscheibe und bessere Brennoefen. Es erscheinen Gesichtsvasen und hochwerige Gefaesse aus Bronze. In Bezug auf die Bronzeverwendung hat Troja eine fuehrende Rolle in der Aegaeis. Es ist Produktions und Handelszentrum fuer die Region. Dank der gut entwickelten Gusstechnik koennen gleichartige Bronzegegenstaende wie Pfeilspitzen, Schwerter, Aexte und Lanzenspitzen in grosser Zahl hergestellt werden. Damit wird ein einschneidender Wechsel bei der Kriegsfuehrung und Verteidigung im oestlichen Mittelmeerraum eingeleitet.

Doch nicht nur in der Verarbeitung von Bronze ist Troja II fuehrend. Die Kunst der Goldschmiede erreicht gleichfalls ein sehr hohes Niveau. Der von Schliemann gefundene Goldschmuck aus Troja II ( den er irrtuemlich als "Schatz des Priamos", also aus einer weit spaeteren Zeit stammend, bezeichnete ) ist so fein verarbeitet, dass erst die Auffindung von Lupen aus Bergkristall aus Troja II das Raetsel ueber seine Herstellungsmoeglichkeit klaerte. Das grosse Diadem besteht beispielsweise aus 13015 Einzelteilen die zum grossen Teil aus nur 0,2 mm dickem Goldblech angefertigt wurden. Das dabei verwendete Gold war sehr rein mit einem Goldanteil von 96% was 23 Karat entspricht. Auch alle anderen Goldteile, wie die Gefaesse, bestanden aus diesem hochwertigem Gold. Die Herkunft des Goldes wie auch die der reichlich verwendeten Bronze ist trotz hochentwickelter Analysentechnik immer noch unbekannt. Ein wissenschaftliches Manko und ein Beweis fuer die trotz partiel grosser Erfolge immer noch vorhandene Schmalspurigkeit der archaeologischen Forschung.

Die Herstellung der Lupen aus Bergkristall war das Werk der Steinschneider- und Schleifer. Ausser der Bearbeitung von Stein bestand ihre Arbeit vorwiegend im Scharfschleifen der gegossenen Bronzewaffen. Neben den aufgefundenen Lupen wurden auch vier Prunkaexte, drei aus Nephrit und eine aus Lapislazuli als ihr Produkt aufgefunden. Sie waren zwischen 26 und 31 cm gross und um das Schaftloch herum reich mit Kanneluren, eingeritzten Facetten und mehreren Reihen erhabener Halbkugeln verziert. Mit Sicherheit wurden diese Prunkwaffen nicht im Kampf sondern im Tempel bei besonderen Zeremonien, zu denen auch gelegentlich Menschenopfer gehoerten, verwendet.

Der Einsatz der Toepferscheibe und eines verbesserten Brennofens brachte grosse Fortschritte in der Anfertigung von Keramik. Damit war es moeglich, erheblich duennwandigere und kunstvollere Gefaesse herzustellen. Anfangs wurde die neue Technik nur fuer besondere neue Gefaesstypen, die sich vorwiegend im Herrschaftsbereich der Burg fanden, spaeter auch fuer das taegliche Geschirr , das mehr im Bereich der Unterstadt gefunden wird, verwendet. Die neue Technik ermoeglichte vor allem, groessere Mengen von qualitativ guter Ware herzustellen, die auch als Handelsobjekt geeignet war. Typisch sind wieder Gesichtsvasen. Neu Becher mit zwei Henkeln mit rundem Boden ohne Standflaeche. Ausserdem groessere flache Schalen, Amphoren mit Kronendeckeln und Verfeinerungen der bauchigen Vasen und Schnabelkannen mit mehreren Henkeln. Es gibt wieder eingeritzte Ornamente nach geometrischen Mustern in horizontalen oder vertikalen Baendern. Von Bemalung gibt es nur wenige, blasse Spuren.

Diese neue Keramik war offenbar ein Exportschlager. Troja II Gefaesse wurden in vielen Gebieten auch lokal nachgeahmt. Ebenfalls exportiert wurden Erzeugnisse aus Bronze und Wolle und Tuche, vielleicht auch Kleidung. Die Stadt besass grosse Schaf- und Ziegenherden , deren Wolle verarbeitet wurde. Dies beweist die grosse Anzahl von den gefundenen Spinnwirteln. Besonders gute Beziehungen bestanden offenbar zur Insel Lemnos wo in Poliochni eine Kultur ausgegraben wurde, die nahezu identisch mit der trojanischen dieser Zeit war.


Obwohl es keine bildlichen oder schriftlichen Zeugnisse vom Leben der Bewohner gibt, kann man wohl annehmen , dass ein Teil davon weiterhin in der Landwirtschaft taetig war und ein anderer die oft anspruchsvollen Handwerks- und Handelsberufe ausuebte. Darueber gab es dann noch die Oberschicht, die in der befestigten Burg ihre Haeuser hatte und wohl eine Leitungs- und Beaufsichtigungsfunktion innehatte, worin sie moeglicherweise durch eine Priesterschaft unterstuetzt wurde. Die Priester rekrutierten sich in dieser Zeit meist aus der oder den herrschenden Familien, sodass dort keine Konflikte entstanden. Die Oberschicht lebte von Abgaben und Dienstverpflichtungen der Untertanen, ueber die sie unbeschraenkte Gerichtsbarkeit bis zur Verhaengung von Todesurteilen ausuebte. Von der Qualitaet des Herrschenden hing es ab, ob es den Menschen mehr oder weniger gut ging.

In der als II f bezeichneten vorletzten Phase kam es zu Veraenderungen im Hausbau auf der Burg. Mehrere Gebaede, mit Ausnahme der zentralen drei Megaronbauten, wurden durch kleinere Wohnhaeuser ersetzt. Was der Grund dafuer war ist nicht bekannt, hat aber moeglicherweise zu tun mit dem naechsten einschneidenden Ereignis, der völligen Zerstoerung von Troja I / II durch einen Grossbrand zwischen 2480 und 2420 v.Chr.

Die Katastrophe traf die Bewohner offenbar voellig ueberraschend. Sie konnten nur das nackte Leben retten, Vorraete, Hausrat und die meisten Wertgegenstaende blieben bei der panischen Flucht vor dem Feuer zurueck. Nur drei Tote wurden gefunden, die wahrscheinlich in den Flammen ums Leben kamen. Sobald das Feuer erloschen war, kehrten die Einwohner in die Stadt zurueck und begannenen mit dem Wiederaufbau. Dabei suchten sie nach ihren Wertgegenstaenden und fanden auch etliches, wie Negativabdruecke im Brandschutt beweisen. Die neuen Haeuser waren auf Grund des ueberhasteten Wiederaufbaus schwaecher und schlechter gebaut als die vorherigen und wurden etwa zwei Jahre spaeter durch einen erneuten Grossbrand bereits wieder zerstoert. Wieder mussten die Bewohner fliehen und kehrten wieder zurueck. Doch nun bauten sie die Stadt nach einem neuen Plan auf.

Fuer die Archaeologie, fuer Schliemann und fuer die heutige Bedeutung von Troja bedeuteten beide Braende und ihre Folgen ein Schluesselereignis. In ihren Brandschichten wurden die bedeutendsten Schatzfunde gemacht, die nicht zuletzt die Bedeutung dieser Stadt dokumentierten und das grosse Interesse an der Archaeologie in der Oeffentlichkeit hervorriefen. In Folge des zweiten Brandes verzichtete man anscheinend darauf, noch weiter nach verborgenen Schaetzen zu suchen und so blieb allein in einem Gebaede oder in seiner Naehe ein Grossteil der darin vorhandenen Wertgegenstaende in den Brandschichten erhalten. Schliemann nannte es anfangs den "Palast des Priamos", spaeter dann das"Haus des Stadtoberhauptes". Es war ein im Verhaeltnis zu den riesigen Megara relativ kleines Haus von ca 100 m2 aus der Wiederaufbauphase, das dann beim zweiten Brand erneut zerstoert wurde. Moeglicherweise hatten die darin enthaltenen Schaetze keinen in Troja lebenden Eigentuemer mehr , waren als gemeinsames, im Brandschutt der Megara gesammeltes Bergegut fuer den Einzelnen uninteressant und moeglicherweise nur Grund fuer erneuten Streit. So wurden sie als "tabu" erklaert und als "Opfer" im Schutt belassen.

Der Plan nach dem das nun folgende Troja III erbaut wurde sah voellig neu aus. Dort ,wo die grossartigen Megaronbauten gestanden hatten, wurden Wohnhaeuser mit mehreren Raeumen und Innenhoefen errichtet. Dafuer wurden die Schuttmassen beider Braende planiert ,sodass die neuen Gebaeude ein bis zwei Meter hoeher lagen. Ein grosser Teil der Aussenmauern wurde nun aus Bruchsteinen gebaut, die mit Erdmoertel verbunden wurden. Fuer die Zwischenwaende verwendete man Lehmziegel ohne Steinfundament. Die Aussenmauern waren bis 80 cm dick und sorgfaeltig gestaltet. Eine Sonderbehandlung erfuhr das vorgenannte "Haus des Stadtoberhauptes". Hier wurde exakt auf dem alten Grundriss wieder aufgebaut, wobei ein neues Fundament ueber das bereits vorhandene mit einer Zwischenschicht aus Lehmschutt gelegt wurde. Eine solche Vorgehensweise ist sonst nur bei Tempeln oder heutzutage Kirchen ueblich und deutet mehr in diese Richtung. Es wuerde auch die Belassung der Schaetze in dem "heiligen Boden" erklaeren.

Auch die suedliche Vorstadt wurde zum Teil veraendert. Aus dem Schutt der Burg wurden breitere Terrassen angelegt , auf denen mindestens zwei groessere Gebaede, eines davon ein Megaron, parallel zur Stadtmauer errichtet wurden. Das suedoestliche Tor wurde stark verkleinert und zum Teil mit Wohngebaeuden ueberbaut. Die Festungsmauer wurde ausgebessert und ueber dem Schutt erhoeht. Insgesamt wohnten erheblich mehr Einwohner im Schutz der Burg , wobei aber auch die Vorstadt ihren Verteidigungsring behielt.

Wenig Aenderung gab es hingegen bei den handwerklichen Produkten. Die Keramik wurde im gleichen Stil fortgefuehrt und allmaehlich wird Rot als Farbe der Oberflaeche beliebt. Die Gesichtsvasen werden naturalistischer und neu kommen Flaschen in Form von Tierkoerpern hinzu. Die Ernaehrungsgewohnheiten aendern sich im Lauf der Zeit. Damwild ersetzt zunehmend die Haustiere beim Fleischkonsum. Offenbar werden die Herden immer kleiner. All dies deutet auf einen wirtschaftlichen und kulturellen Rueckgang hin. Ob er eine spaete Auswirkung der Brandkatastrophe war oder Missernten und Seuchen Troja heimsuchten ist nicht zu erkennen, da die Bestattungsstaetten der Trojaner bisher nicht gefunden wurden. Mindestens viermal werden Haeuser umgebaut . Auch Braende gab es wieder, die aber nicht die ganze Stadt betrafen. Ein Erdbeben zerstoerte das Steinhaus im Zentrum . Fuer viele lag wohl ein Fluch auf der Stadt. Immer mehr Bewohner verliessen sie und um 2300 v.Chr. wurde sie voellig dem Verfall ueberlassen. Damit existierte Troja III nur 120-180 Jahre im Gegensatz zu Troja I / II das ca 500 Jahre bestand.

Um 2200 v.Chr. gibt es dann neue Siedler, die Troja IVerrichten. Sie bauen Haeser in einem Stil, der in dieser Zeit auch im uebrigen Anatolien zu erkennen ist. Er besteht aus aneinandergebauten megaronaehnlichen Langhaeusern mit Lehmziegelaufbau ueber Steinfundamenten, gemeinsamen Trennwaenden und Verputz innen wie aussen. Die kulturellen Unterschiede gegenueber den vorherigen Bewohnern waren ansonsten aber offenbar nicht sehr gross. Jedenfalls uebten sie die Herstellung von Keramik in aehnlicher Weise und Formen wie die Vorgaenger aus. Es gab wieder Gesichtsvasen, die wieder stilisierter wurden , als Neuerung "Aermchen" erhielten und insgesamt bauchiger wurden. Weitere Neuerungen waren kunstvoll verzierte Spinnwirtel, bemalte Gefaesse und Ritzungen von kleinen Tieren in Gefaessdeckel. Ausserdem bauchige Henkelkannen mit hochgezogenen "Fluegeln" und aufgesetzten Spiralornamenten.


Doch sie brachten etwas voellig Neues mit. Den Kuppelofen, der sich in nahezu jedem Haus im Vorraum, in dem auch die Vorraete gelagert wurden, befand. Offenbar legten die Neusiedler mehr Wert auf die Bereitung von Speisen als ihre Vorgaenger. Doch viel Gelegenheit dazu hatten sie wohl nicht. Mindestens siebenmal brannten ihre Haeuser nieder , wobei durch die gemeinsamen Daecher alle Haeuser in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch an Nahrungsmitteln gab es Mangel, da sie offenbar an geregelter baeuerlicher Taetigkeit gehindert wurden. Es gab nur wenige Schweine und kaum Herden. All dies sieht nach unruhigen Zeiten in der Zeit um 2000 v.Chr. aus und auch die Neusiedler waren wohl eine Folgeerscheinung dieser allgemeinen Unruhe.

Um 2000 v. Chr. war offensichtlich der gesamte Raum des oestlichen Mittelmeers von einer Einwanderungswelle betroffen. Der Einschlag eines riesigen Meteoriten in der Sahara um 2180 v.Chr. hatte eine Klimaaenderung zur Folge, in deren Verlauf die mittlere Temperatur in Europa um 1,5° abnahm. Damit endete die Warmphase des sogenannten Atlantikums, das zur Besiedlung des noerdlichen Europas bis weit hinauf nach Schweden gefuehrt hatte. In Folge der Abkuehlung verschlechterten sich die Lebensbedingungen in ganz Europa und viele waren gezwungen nach Sueden auszuweichen um in gewohnter Weise weiter existieren zu koennen. Sie brachten ihre Kenntnisse, ihre Erfahrungen, ihr Saatgut und ihr abgehaertetes Vieh mit. Dinge, die in den sich aendernden Bedingungen auch des Suedens gut zu gebrauchen waren. Die Neusiedler muessen deshalb nicht immer unwillkommen gewesen sein.

Doch das Leben war fuer sie offenbar alles andere als einfach. Auf Grund der archaeologischen Befunde kann man mit grosser Sicherheit sagen, dass die Braende auf Ueberfaelle mit Brandschatzung zurueckzufuehren sind. Die Haeuser wurden anschliessend nur ausgebessert, die Grundrisse aenderten sich nicht und auch die Keramik blieb gleich. Auch erreichte der Anteil an Damwild jetzt 30% der Ernaehrung mit Fleisch, ein Zeichen dass die Haltung von Haustieren auf grosse Schwierigkeiten stiess. Es wurden auch fast nur noch Schweine gehalten, die auf Grund ihrer Fruchtbarkeit die effektivsten Fleischbringer sind. Die Schweine wurden auch schon sehr jung geschlachtet um zu verhindern, dass sie bei erneuten Ueberfaellen geraubt wurden.

Erst um 1900 v.Chr. kehrten in Troja IV wieder ruhigere Zeiten ein. Der nun wieder erreichte Wohlstand zeigt sich im Bau von groesseren und schoeneren Haeusern. Die Grundrisse blieben aehnlich, aber man leistete sich groessere Raeume. Der Hauptraum eines neuen Hauses mass mindestens zehn mal fuenf Meter. An drei Seiten wurde er umgeben von Nebenrauemen. Die Archaeologen sprechen deshalb von Troja V. Weitere Neuerungen , die teilweise schon am Ende von Troja IV zu erkennen sind, bestehen in fest eingebauten Baenken und Sitzgelegenheiten. Auch ist zum Kummer der Archaeologen in Troja V ein neuer Hang zur Sauberkeit zu erkennen ,der dazu fuehrt, dass es kaum noch Abfaelle in den Hausschichten gibt. Die Ernaehrung mit Fleisch wird jetzt wieder zu 50% durch das Rind gedeckt auch vermutet man erste Pferde in dieser Zeit. Die Zahl von Werkzeugen aus Bronze stieg und die weiter verbesserte Keramik wurde auf einer schneller drehenden Toepferscheibe hergestellt, was die Produktion sehr duennwandiger Keramik ermoeglichte. Ein Enten-Askos und ein minoisches Gefaess , das in einem Kindergrab gefunden wurde, zeigen dass Handelsbeziehungen zu den Kykladen, Kreta und wahrscheinlich zu Zypern bestehen.

Ein Raetsel fuer die Archaeologen ist das Ende von Troja V. Weder ein Brand noch ein Erdbeben oder feindlicher Angriff sind in den Schichten zu erkennen. Es gibt nur Anzeichen fuer einzelne Braende und fuer einen allmaehlichen Verfall nachdem die Stadt wohl nach 1750 v.Chr. von den Bewohnern verlassen wurde. Eine Erklaerung, die nicht aus dem Bereich der Archaeologie, sondern aus dem der geschriebenen Geschichte stammt , koennte die in dieser Zeit stattfindende Gruendung und der nachfolgende Aufschwung des Reiches der Hethiter in Anatolien sein, fuer den jede Menge Menschen benoetigt wurden, die moeglicherweise in diesem Falle auch aus Troja V freiwillig oder gezwungen gekommen sein koennten. Immerhin hat die Periode von Troja IV / V damit ein Alter von 450 Jahren und damit fast die Zeit von Troja I / II erreicht.

Das Troja der Geschichte. Troja VI / VII
Die hochragende Burg ueber der stolzen Stadt

Um 1700 v.Chr. erlebt Troja eine neue Zuwanderungswelle. Sie beginnt sofort mit dem Aufbau einer der Zeit angemessenen Stadt mit einer maechtigen Befestigungsanlage. Die Archaeologen unterscheiden 8 Bauabschnitte, die in drei Unterperioden zusammengefasst werden.

Troja VI Frueh von 1700-1570 v.Chr.

Troja VI Mitte von 1570-1470 v. Chr.

Troja VI Spaet von1470-1250/30 v.Chr.

Davon ist Troja VI Spaet die Zeit der groessten Machtentfaltung.

Der Plan nach dem die Stadt erbaut wird zeugt von Wissen um den Bau von Befestigungen und repraesentativen Koenigssitzen. Gebaut wird auf dem alten Huegel voellig neu eine Burg im Mykene aehnlichen Stil mit einer Grundflaeche von ca 20 000 m2. Bis zum erst in juengster Zeit erfolgten archaeologischem Nachweis einer etwa zehnmal groesseren Unterstadt galt sie als Hauptteil der Stadt. Die Burg lag nicht im Zentrum sondern schloss die Stadt ab in Richtung Norden zu den Dardanellen.
Dabei wird die noerdliche Mauer mehr auf die Hoehe des Huegels verlegt, sodass nach Norden eine steile uneinnehmbare Wand entsteht. Im Sueden wird die Huegelflaeche durch Aufschuettungen und Planierungen verdoppelt und mit einer starken Befestigungsmauer abgeschlossen. Der zweimalige Versuch , hier eine senkrechte Mauer zu errichten ,die jedesmal auf Grund des Drucks der Erdmassen von Innen umkippte, deutet darauf hin , dass die Erbauer aus der Ebene kamen. Beim dritten Mal wurde dann die Mauer mit einer starken Boeschung versehen und lieferte damit wieder den fuer Troja schon vorher charakteristischen Mauerstil. Die neuen Mauern bestanden nicht mehr aus Zyklopenmauerwerk , sondern aus grossen behauenen Quadersteinen, die abwechselnd in Laengs- und Querlagen ohne Moertel aneinandergefuegt wurden. Die Hoehe der Steinmauer betrug bis zu 6m . Darauf erhob sich weiter eine Mauer aus Lehmziegeln gut 4m hoch und 4 bis 5m dick. Darauf folgte eine Brustwehr mit Zinnen und Wehrgang rund um die Stadt. Damit erschien die Mauer fuer den moeglichen Feind ueber 11m hoch und wurde berechtigterweise als unueberwindlich fuer die damalige Kriegstechnik angesehen.


In die Mauer wurden alle 8-9m 10-30cm tiefe Saegezahnkanten eingearbeitet, an denen die geraden Mauerteile ein wenig abknickten um eine polygone Rundung um die Stadt zu bilden. Die geraden Mauerteile waren noetig, da das darauf errichtete Lehmziegelmauerwerk durch gerade Holzbalken verstaerkt war ,die eine Laenge von 8-9m hatten. Ausserdem ermoeglichte die gerade Mauerfuehrung die Verwendung von einfach quaderfoermig behauenen Bausteinen, die nur am Knick nachgearbeitet werden mussten. Die aelteste Mauer entstand um 1700 gleich nach Beginn, die letzte Erweiterung wurde Mitte des 15. Jahrhunderts v. Chr. durchgefuehrt.
Im Sueden wurde dabei die Mauer nach aussen versetzt. Dies war nur moeglich, weil fuer die Zeit des Umbaus die aeussere Stadtmauer hier Schutz bot. Im Osten wurde auf die alte Mauer aufgebaut und im Westen wurde die neue Mauer vor die alte gesetzt. Die Gesamtlaenge der Festungsmauern betrug 550m. Ab 1470 v.Chr. wurde an der Ostmauer und vor dem Suedtor je ein maechtiger Turm erbaut. Die Tuerme wurden vor die Mauer gesetzt und nicht in sie integriert. Der maechtige Ostturm war 11m breit, 8,5 m tief und mindestens 12m hoch. Das Mauerwerk der Tuerme ist noch besser als das der Stadtmauer, die Bloecke sind glatter und es gibt kaum breitere Fugen.


Auf dem hinter der Befestigungsmauer liegenden ansteigenden Gelaende wurden grosse Gebaeude errichtet, die in ihrer Ausfuehrung und Anordnung den Eindruck eines maechtigen Koenigssitzes verstaerken sollten. Vorbilder dafuer gab es in Mykene und in Knossos. Leider ist durch Planierung und Ueberbauung mit einem Athena Tempel in hellenistischer Zeit vom Zentrum und der Bebauung des hoechsten Punktes nichts erhalten, sodass nicht gesagt werden kann, ob im Zentrum schon damals ein Tempel oder ein Palast stand. Nach Homers Ilias stand hier sowohl der Palast des Priamos mit 50 Zimmern fuer seine Soehne , wie auch ein Tempel der Athene und des Apollo. Ausserdem der Palast des Paris und des Hektor. Durch Ausgrabung nachgewiesen sind ca 10 groessere Gebaeude im Anschluss an die Ringstrasse hinter der Burgmauer, die in einer Mischform von Zyklopen- und Quadermauerwerk errichtet wurden und Steinpfeiler und Fundamente fuer Holzsaeulen aufweisen mit denen Obergeschosse oder Daecher abgestuetzt wurden. Die Raeume sind oft ueber 100m2 gross, sodass schon von Palaesten gesprochen werden kann.

Hier lebten offenbar Herrscher, die Handel, Handwerk und Landwirtschaft machtvoll kontrollierten. Sie waren wohlhabend, tatkraeftig, schoepferisch und bereit mit Staerke und Entschlossenheit zu handeln und das nicht erst zum Zeitpunkt der Erbauung der neuen Stadt , sondern beruhend auf einer langen machtvollen Tradition.

Im Gegensatz zu Troja II wurden in Troja VI keine "Wertgegenstaende" gefunden. Man nimmt an, dass die Bewohner ihre Schaetze rechtzeitig vergraben und dann wieder hervorgeholt haben. Leere Loecher im Boden deuten darauf hin. Falls im oberen Burgbereich etwas in der Erde vorhanden gewesen sein sollte , wurde es zudem spaetestens bei der Planierung fuer den Tempelbau in hellenistischer Zeit herausgearbeitet und wohl auch gefunden. So wurden in den hoeheren Schichten von Troja VI nur wenige Luxusgegenstaende wie ein schoen verzierter Elfenbeinkamm, Perlen aus Karneol, Bergkristall und Glas und einzelne Schmuckstuecke aus Gold, Silber und Bronze entdeckt. Immerhin genug ,um zu zeigen , dass auch in Troja VI die Kunst der Handwerker hoch entwickelt war und dazu noch erhebliche Fortschritte gemacht hatte.

Bronze wurde jetzt allgemein verwendet. Wenn Gegenstaende daraus zerbrachen oder sonst nicht mehr brauchbar erschienen wurden sie eingeschmolzen und neu verarbeitet, denn Bronze war immer noch ein sehr wertvolles Material. So blieb von den Bronzegegenstaenden aller Zeiten fuer die Archaeologie nur sehr wenig erhalten. Guenstiger sah es bei der Keramik aus. Zerbrach sie, so war sie wertlos und wurde weggeworfen . Da sie aber nahezu unzerstoerbar fuer die Angriffe aus den natuerlichen Prozessen ist, blieb sie ueber Jahrtausende erhalten. Dazu bietet sie ueber neue Altersbestimungsmethoden wie die Thermoluminiszenz und die Isotopenuntersuchung Aufschluesse ueber ihr Alter und ihre Herkunft. Erkenntnisse welche die Archaeologie ein grosses Stueck weitergebracht haben.


Da Troja VI eine Zeitspanne von ca 450 Jahren umfasst ,sind eine gewaltige Menge von Keramikscherben aus dieser Zeit erhalten. Sie zeigen, dass es im Lauf der Zeit mehrfach Veraenderungen und wechsende Vorlieben gab. Gemeinsam war allen, dass jetzt alle Keramik auf der Toepferscheibe hergestellt wurde. Die Brenntechnik wurde weiter verbessert und durch genaue Steuerung der Zufuhr von Sauerstoff konnten sehr exakt bei gleichem Ausgangsmaterial verschieden Faerbungen der Oberflaeche erreicht werden. Von Anfang an war Grau die dominierende Farbe. Ueber Zumischung von Glimmer versuchte man anfangs dem Grau den metallischen Glanz von Silber zu geben. Spaeter mit einer weiter verbesserten Brenntechnik gelang dies auch ohne Zumischung von Glimmer. Ab Troja VI Mitte ging die Verwendung von Rot als Oberflaechenfarbe zurueck und wurde durch Gelbtoene ersetzt mit denen man Gold- oder Bronzegefaesse vortaeuschen wollte. Diese "Metallkeramik" war in der Bronzezeit sehr populaer und wurde an mehreren Orten hergestellt. Durch die regen Handelsbeziehungen verbreitete sie sich ueber weite Bereiche und eine genaue Zuordnung der Herkunft ist oft nur ueber Isotopenanalyse moeglich


Eine weitere Mode war die Verwendung von "mykenischen" Mustern. Naturalistische Darstellungen von Seegetier wie Polypen, Seesternen und Anderem . Die Vorliebe dafuer stammt eigentlich aus der letzten Hochkulturphase der minoischen Kultur von Kreta wurde aber offenbar von Mykene und Troja fuer die dort erzeugte Keramik uebernommen. Ausserdem erscheinen wieder Kreise und vor allem Spiralen in allen moeglichen Variationen in dunklen Farbtoenen auf gelben Geschirr. Diese gemeinsame Verwendung von zum Teil sehr alten Symbolen, wie den Spiralen, deutet ganz klar in die Richtung einer gemeinsamen Ursprungskultur von Kreta, Mykene und Troja. Von einer "Kopie" oder gar "Faelschung" sollte man deshalb hier besser nicht reden. Diese aufwaendige "mykenische Keramik" war auch kein Alltagsgeschirr, sondern beschraenkte sich auf wenige Luxusgefaesse, die zum Teil wohl auch als Behaelter fuer Salben, Opium, Gewuerze und andere Luxusgueter verwendet wurden, die man ueber weite Strecken handelte.

Als typisch fuer die aufwaendigere Keramik von Troja koennen genannt werden: Flache Schalen mit hochgezogenen Henkeln und ausgepraegten Knicken, Henkel mit naturalistischen Tierkoepfen wie Pferde, Stiere und Voegel, Mit einer Art Kamm eingeritzte Wellen und Zick-Zacklinien und torusfoermige Kannen mit hochgezogenem Ausguss und Buegelhenkel. Als Besonderheit ist noch ein kleines Schwein, uebersaet mit Bemalung mit Sternchen, und ein Torso eine Frauenfigur mit grossen Bruesten und einem stark vorgewoelbtem Bauch, wohl ein Fruchtbarkeitssymbol, zu erwaehnen.

Aus all diesem kann man sehen, dass es den Trojanern dieser Zeit gut ging und dass die Stadt im Laufe der Zeit wuchs und gedieh. Dies wird durch die seit 1995 erfolgende archaeologische Untersuchung der ausgedehnten Unterstadt bestaetigt. Auch diese Unterstadt besass eine Verteidigungsanlage in Form eines Grabens gegen Angriffe mit Streitwagen und eine Walles, verstaerkt mit Stein- und Lehmziegelmauern und Palisaden. Ihre Auffindung war allerdings ausserordentlich erschwert wegen einer zweimaligen Ueberbauung in hellenistischer und roemischer Zeit wobei ein Grossteil der vorhandenen Steine fuer neue Bauten wiederverwendet wurde.


Etwas schwer zu verstehen ist bei diesem Wohlstand und offensichtlich vorhandenen Faehigkeiten, grosse und gut gebaute Anlagen zu erstellen , das Nichtvorhandensein eines echten Stadthafens. Von den heutigen Archaeologen wird zwar argumentiert, dass die Besik-Bucht mit ihrem flachen Sandstrand etwa 10 Km entfernt an der noerdlichen Kueste der Aegaeis einen idealen Naturhafen darstellte, in dem die Schiffe, welche die Dardanellen durchfahren wollten, auf guenstigen Wind warten konnten.

Aber diese Tatsache reicht nicht fuer diese Zeit, die umfangreiche Hafenanlagen und Kanalbauten kennt, als Argument fuer einen Stadthafen. Dafuer war die Bucht mit einer Entfernung von 10 Km zu weit von der Stadt entfernt. Alle Waren mussten muehselig auf Lasttieren oder Wagen weitertransportiert werden, wobei bisher keine dafuer tauglichen gepflasterten oder anders befestigten Strassen gefunden wurden. Auch wird vermutet, dass ein zweiter Hafen noerdlich vom heutigen Canakkale in einer ebenfalls flachen Bucht in den Dardanellen an einer Stelle existierte an der spaeter das antike Abydos lag. Aber auch dieser Hafen war ca 35 Km entfernt und ein Warentransport ueber Land ueber diese Entfernung ist fuer eine nahe am Meer gelegene maechtige Handelsstadt kaum vorstellbar.


Es bleibt die Vermutung eines Hafens im Bereich der Bucht , in der die Fluesse Skamander und Simoeis ins Meer fliessen. Nach neueren Untersuchungen erstreckte sich diese Bucht in der Bronzezeit bis auf wenige 100m an den Huegel Hisarlik und die Nordseite der Stadt, die mit ihrem hier steilen Huegel , der darauf errichteten Nordmauer und den ueber sie hinausragenden Tempel und Palaesten fuer den im Hafen Ankommenden sicher ein imposantes Bild bot und Anlass gab, in der klassischen Literatur vom "steilen Ilion" zu sprechen. Von der Suedwestseite der Burg, welche das grosse Tor mit der Rampe davor aufwies, war das Tal des Simoeis und damit ein dort liegender Hafen durch ein damals noch vorhandenes Tal an der Westseite der Burg, das spaeter in einer Naturkatastrophe aufgefuellt wurde, gut zu erreichen.


Dies waere also der Platz fuer einen Hafen gewesen, der einer Handelsstadt wie Troja wuerdig war. Dafuer spricht auch die Tatsache, dass Staedte in dieser Zeit grundsaetzlich immer an von der Natur gut ausgestatteten Plaetzen angelegt wurden und das war der Siedlungsplatz Troja nur mit der Moeglichkeit der Anlage eines Hafens nahe der Stadt. Auch Schliemann sah dies so , als er zum ersten Mal den Huegel Hisarlik untersuchte, alle Beschreibungen des Gelaendes und der Ereignisse in der Ilias mit diesem Ort verglich und dabei eindeutig zu der Ueberzeugung kam, am richtigen Ort zu sein. Er ging davon aus, dass der Skamander zur Zeit der Gruendung und Bluete von Troja sehr viel naeher am Huegel Hisarlik verlief und nach der Vereinigung mit dem Simoeis einen bis an den Fuss des Huegels schiffbaren Fluss bildete.


Da die Bucht nach den genannten Untersuchungen viel weiter ins Land hineinreichte, genuegte ein kurzer Weg auf dem Fluss, um in ein kuenstlich angelegtes Hafenbecken zu gelangen. Aus anderen Hafenanlagen aus dieser Zeit ist bekannt , dass es ueblich war, vor das eigentliche Hafenbecken noch ein Absetzbecken fuer vom Fluss mitgefuehrten Sand und Steine zu setzen , um so den Hafen und die Zufahrt vor dem Versanden zu bewahren. Dieses Absetzbecken musste natuerlich von Zeit zu Zeit von dem angeschwemmten Material befreit werden, um seine Wirksamkeit nicht zu verlieren. Groessere Sanderhebungen in der Ebene zu Fuessen des Huegels, die nicht natuerlichen Ursprungs sein koennen, deuten auf entsprechende Massnahmen der Trojaner. Sand und kleinere Steine liessen sich spaeter wieder als Baumaterial verwenden, wobei moeglicherweise auch die fuer Troja typischen Muscheln, die in fast allen Schichten vorhanden sind, in die Stadt gelangten.

Das Problem des Hafens von Troja wurde schon von vielen Autoren angesprochen und es existiert eine Menge von Vermutungen zu diesem Thema. Dabei wird auch immer wieder von einem Kanal von der Besik-Bucht zum Hafenbecken von Troja gesprochen. Die vorher beschriebenen schwierigen Verhaeltnisse bei der Einfahrt in die Dardanellen bei entgegenstehender Stroemung und Gegenwind fordern geradezu einen solchen Kanal. Das haben sicher auch die Trojaner so gesehen und baldmoeglichst hier Abhilfe geschaffen .Karten vom Ende des 18. und Anfang des19.Jahrhunderts, die von und fuer Troja-Besucher erstellt wurden, zeigen auch noch einen solchen Kanal



Es waere also an der Zeit fuer die zustaendigen Archaeologen, sich einmal diesem Thema mit modernen Untersuchungsmethoden zuzuwenden, um wissenschaftliche Klarheit ueber diesen wichtigen Punkt zu schaffen. Denn ohne entsprechenden Hafen ist ein Troja, wie es sich heute darstellt , in der Bluete der Bronzezeit von 1500-1200 v.Chr. nicht vorstellbar. Der Geoarchaeologe Eberhard Zangger hat hierzu bereits seine Dienste angeboten. Doch bisher konnten die dafuer erforderlichen Mittel nicht bereitgestellt werden.

 
Ein weiterer Problempunkt in der archaeologischen Erkundung Trojas ist das nahezu vollstaendige Fehlen der Untersuchungen von Graebern, vor allem von den fuehrenden Persoenlichkeiten. Sie koennten weitere wichtige Aufschluesse ueber die geschichtliche Entwicklung bis zu Troja VII geben. So ist man bisher auf Mutmassungen angewiesen, wenn es um die Uebergaenge von Troja I / II auf III , um die Gruende fuer das Ende von Troja IV oder die Ereignisse, die von Troja VI zu VII fuehrten., geht. Da eine ganze Reihe von Tumuli in der naeheren und ferneren Umgebung bekannt sind, aber noch nicht naeher nach heutigen Methoden untersucht wurden, koennte ihre Untersuchung und archaeologische Auswertung wahrscheinlich weit mehr Erkenntnisse liefern als die weitere muehselige und zeitraubende Kleinarbeit in noch nicht untersuchten Bereichen der Burg, die zur Zeit immer nur die bisher vorhandenen Erkenntnisse bestaetigt.

Da es sich bei Troja sicher schon nach dem heutigen Erkenntnisstand um den" Schicksalsberg der westlichen Archaeologie" handelt und man ueber eine grosse Anzahl von Wissenschaftlern verfuegt, scheint es sinnvoll, dass hier nicht viele Jahre Zeit fuer Kleinarbeit verwendet wird, sondern es ist wichtiger, weitere grosse Erkenntnisschritte den bisherigen hinzuzufuegen.

Wie bereits gesagt, ist eine wesentliche dieser bisher nur unvollstaendig beantworteten Fragen das Ende von Troja VI. Wie, wann und warum kam das ploetzliche Ende dieser reichen und maechtigen Stadt, die keinen Gegner fuerchten musste. Vieles deutet auf ein Erdbeben hin. Aber Erdbeben gab es immer wieder in diesem Bereich und die meisten Bauten von Troja VI waren im Hinblick darauf relativ erdbebensicher ausgefuehrt worden. Aber um 1250/30 v.Chr. kam es zu Zerstoerungen, die jedes bisher bekannte Ausmass von Erdbebenschaeden ueberstiegen.

Die meisten Palaeste auf der Burg wurden zerstoert. Die Lehmziegelaufbauten der Mauern brachen zusammen und mit ihnen die Daecher und oberen Geschosse. Auch Teile des Lehmziegelaufbaus der Burgmauer fielen nach innen auf die Ringstrasse. In der Unterstadt hat es sicher nicht besser ausgesehen. Da die gut gebauten Palaeste so mitgenommen wurden, kann man wohl annehmen, dass hier fast kein Haus stehenblieb. Entsprechend viele Opfer unter den Bewohnern, sowohl der Burg, wie auch der Unterstadt, muss es gegeben haben. So kann man wohl annehmen, dass auch dadurch die Verteidigungskraft der Stadt stark geschwaecht wurde.

Die sichtbare Konsequenz daraus waren tiefgreifende bauliche Veraenderungen an der Burg. So wurde das Suedwesttor zugemauert, das nach dem vorher gesagten wohl das Hafen- und damit Hauptkommunikationstor war und keinen hohen Verteidigungswert hatte. Das Osttor wurde durch Verlaengerung der Torgasse vor der Mauer in seinem Verteidigungswert verbessert. Der Burgbereich mit den weitgehend zerstoerten Palaesten wurde nach neuen Gesichtspunkten voellig neu aufgebaut. Viele , kleinere Haeser, die in ihrer Bauweise mehr den Haeusern der Unterstadt glichen, ersetzten die vorherigen Grossbauten. Im Bereich der Ringstrasse hinter der Burgmauer wurden sie auf dem planierten Schutt errichtet und zwar an beiden Seiten der Strasse, die dadurch viel schmaler wurde. Viele der Hauser hatten gemeinsame Trennwaende, manche waren zur Strasse hin offen. Als Baumaterial wurden kleinere Bruchsteine und vorhandene Quader der vorherigen Bebauung verwendet. In vielen Haeusern wurden Vorratskruege in den Boden eingelassen und mit Steinplatten abgedeckt.


Ob von den Tempeln und den Palaesten im Zentrum der Burg etwas erhalten blieb, kann auf Grund der Zerstoerung der archaeologischen Schichten in spaeterer Zeit fuer diesen Bereich nicht gesagt werden und so ist es auch nicht moeglich , nach archaeologischen Befunden zu sagen , ob es nach der Katastrophe noch eine Oberschicht in der Stadt gab oder ob auch diese mit den Palaesten verschwunden war. Vieles sieht jedenfalls sehr viel "demokratischer" aus als vorher und es wohnten auch ohne Zweifel sehr viel mehr und weniger wohlhabende Leute auf der Burg. Moeglicherweise war es die ganze ueberlebende Bevoelkerung, die sich in diesem sicheren Bereich zusammendraengte.

Eindeutig ist nur, dass es sich nicht um neue Menschen handelte, denn die Keramik und sonstigen Gegenstaende blieben gleich. Auch zu anderen Regionen blieben die Beziehungen erhalten und der Handel mit den Zentren im oestlichen Mittelmeer und in Anatolien florierte weiterhin. Nur die Verbindungen zur mykenischen Welt nahmen ab. Keramik von dort wurde nicht mehr importiert, sondern nur noch vor Ort nachgeahmt. Da dies aber auch an anderen Orten zu beobachten ist, besteht die Meinung , dass der mykenische Handel allgemein in dieser Zeit zurückging. Aber es muss noch Kontakte zu Mykene gegeben haben , denn die dortigen "Trends" sind auch in Troja zu beobachten.

So gibt es dann zu der Frage, was diese Zerstoerungen und Aenderung der Struktur der Stadt und damit den Uebergang zu Troja VII verursacht hat, verschiedene Meinungen. Die einen sind der Ansicht, dass sie eine Folge des durch Homer beschriebenen trojanischen Kriegs oder eines anderen kriegerischen Ereignisses sind. Dazu zaehlt der Troja-Ausgraeber Doerpfeld, der in den Spuren Schliemanns wandelt. Die Anderen meinen, sie waeren durch ein starkes Erdbeben verursacht worden, dessen Epizentrum bei Troja lag. Dazu zaehlt der Troja-Ausgraeber Blegen.

Fuer beide Theorien gibt es gute Argumente, so dass nach dem bisherigen Wissensstand keiner von beiden der Vorzug gegeben werden kann. Direkt damit verbunden ist die Datierung des Ereignisses. Ein starkes Erdbeben kann natuerlich jederzeit stattfinden und ist deshalb eine einfache Erklaerung. Seine Folgen in Form der in der Stadt beobachteten Zerstoerungen , die auch auf Feindeinwirkung und Kampfhandlungen zurueckgefuehrt werden koennen , muessten deshalb durch weitere Fakten, z.B.:durch im Umfeld der Stadt erfolgte Veraenderungen oder durch Auffindung von Opfern des Bebens, untermauert werden.

Es sind naehmlich in der Umgebung von Troja in der Natur etliche grosse Veraenderungen, wie die Auffuellung von Talschluchten oder die Versumpfung etlicher Gebiete in den Flusstaelern, festgestellt worden, deren Ursache eine Naturkatastrophe sein koennte, die moeglicherweise mit dem zerstoererischen Erdbeben, welches die Stadt traf, im Zusammenhang stand. Diese Naturkatastrophe koennte auch mit der im Zusammenhang stehen, die einerseits einen grossen Teil der Stadt Tyrins mit einer Schlammlawine zudeckte und andererseits von den Aegyptern im Zusammenhang mit dem Untergang von Atlantis - Tharsis genannt wurde. Sie fiel ebenfalls in diese Zeit . Damit spricht also einiges fuer die Naturkatastrophentheorie. Ihr Zeitpunkt waere nach bisherigen Annahmen 1250 v.Chr.


Sehr viel klarer scheint , sowohl in der zeitlichen Einordnung, wie auch in der Ursache, der Untergang von Troja VIIa . Durch umfangreiche Funde von Kriegswaffen und Toten im Schutt der Unterstadt und eine dicke Brandschicht im Bereich der Burg ist eindeutig bewiesen, dass Troja VIIa erobert, gepluendert und verbrannt wurde, wie Homer es als Ausgang des trojanischen Kriegs beschreibt.

Wenn man nun annimmt, dass Troja VIIa tatsaechlich nach Homer durch eine Koalition von Achaeern und Mykenern zerstoert wurde, kann nach der bisher angewandten Zeittafel Troja VIIa nur sehr kurze Zeit bestanden haben. Denn nach dieser Zeittafel wird die Zerstoerung der mykenischen Burgen auf 1230 v.Chr. festgelegt .Die Mykener sind aber noch im Vollbesitz ihrer Kriegsmacht zum Zug gegen Troja, das heisst, einige Zeit vorher, aufgebrochen. Da Troja vor der Einnahme zehn Jahre lang belagert wurde, kann die Eroberung spaetestens um 1220 v.Chr.erfolgt sein.

Troja VIIa haette danach hoechstens 30 Jahre bestanden. Die archaeologischen Befunde stehen aber dazu im Widerspruch. Nach den aufgefundenen vier Schichten und der darin befindlichen Keramik hat Troja VIIa nach der durch Funde begruendeten Meinung der Archaeologen mindestens 70 Jahre d.h. wenn man von 1250 v.Chr. als Anfang ausgeht, mindestens bis 1180 v. Chr. existiert. Damit rueckt der Zeitpunkt der Zerstoerung in die Zeit der Seevoelkerkriege , deren erste Schlacht um Aegypten von den Aegyptern auf 1208 V.Chr. und die zweite auf 1180/79 v.Chr. datiert wird. Damit waere es denkbar, dass Troja VIIa nicht durch Mykener und Achaeer sondern durch Teile der Seevoelkertruppen erobert und zerstoert und nachfolgend neu besiedelt wurde. Fuer eine teilweise Neubesiedlung spricht auch die neu aufgefundene Keramik in Troja VIIb.


Wenn man nun unbedingt an Homer festhalten moechte, bleibt damit nur die Eroberung von Troja VI durch Mykener und Achaeer um 1250/30 v. Chr.Sie ist aber zur Zeit nicht beweisbar. Dies wuerde moeglicherweise heissen, dass die Eroberer bei weitem nicht so brutal, wie bei Homer beschrieben, gegen die eroberte Stadt vorgingen, was auf Grund der jahrhundertelangen archaeologisch nachgewiesenen guten Beziehungen auch unglaubhaft erscheint. Man ging , wie die Zerstoerungen an den Palaesten zeigen, wohl vorwiegend gegen die Oberschicht vor , die anschliessend wahrscheinlich auch nicht mehr vorhanden war , und pluenderte die Stadt vollstaendig aus. Die Unterstadt duerfte bei den jahrelang andauernden Kaempfen und der anschliessenden Eroberung schwer gelitten haben und die Bevoelkerung nahm durch Verluste im Krieg und bei der Einnahme der Stadt erheblich ab. Weil die Bevoelkerung aber grundsaetzlich erhalten blieb, wurde die Stadt anschliessend gut aufgeraeumt, die Toten auf aussengelegenen Friedhoefen bestattet und alle herumliegenden Waffen wieder eingesammelt , sodass fuer die Archaeologen keine Spuren der Kampfhandlungen auffindbar sind.

Zu dieser Version wuerde ein in Hattusa aufgefundener bruchstueckhafter Text passen, der aussagt, dass der Grosskoenig der Hethiter den aus "Wilusa" vertriebenen Sohn des ehemaligen, offenbar toten, Herrschers Aleksandu mit Namen Walmu, entsprechend seinen Buendnisverpflichtungen wieder in seine Rechte einsetzen will. Eine entsprechende Aktion wurde dann allerdings durch die einbrechenden Seevoelker verhindert. (15g)

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Das weitere Schicksal von Troja kann kurz betrachtet werden, da es fuer den hier dargestellten Bereich der europaeischen Fruehgeschichte relativ uninteressant ist. Troja VIIb wurde von Ueberlebenden der Eroberung und von Leuten aus dem Umland oder von einem Teil der Eroberer bis etwa 1050 v.Chr. weiter bewohnt.

Dann lag die Stadt fuer 250 Jahre verlassen da. Ab 700 v.Chr. erfolgt wieder eine Zunahme der Bevoelkerung. Troja wird im weiteren Verlauf als Staette des trojanischen Krieges und spaeter als Ursprungsstadt des Aenaeas, der als Gruender Roms angesehen wird, im Ansehen aufgewertet. In der hellenistischen Zeit wird es neu bebaut, 334 von Alexander dem Grossen aufgesucht, von den Kelten verwuestet und schliesslich durch einen abgefallenen roemischen Feldherrn in der Folge des Krieges gegen Mithridates voellig zerstoert.

Dann folgt die roemische Zeit mit erneuten Aufbau nach roemischen Plaenen. Besucher und Foerderer sind Caesar, Augustus, Hadrian, Caracalla, Constantin. Die Caesar unterstellte Absicht ,die Hauptstadt des Reiches nach Troja zu verlegen, soll mit ein Grund fuer seine Ermordung gewesen sein.
Troja wird Bischofssitz und um 500 durch ein Erdbeben zerstoert.


Vom 6.-11.Jahrhundert ist Troja nahezu verlassen.
Vom 12.-14. Jahrhundert wieder besiedelt und Bischofssitz.
Danach endgueltig verlassen und aufgegeben.

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Ausgrabungen

Ab etwa dem Anfang des 18. Jahrhunderts wird die Troas von einzelnen Westeuropaeern, vor allem Englaendern und Franzosen, aufgesucht ,um die historischen Staetten aus Homers Ilias in Augenschein zu nehmen. Dabei werden verschiedene falsche Annahmen fuer die Lage der Stadt gemacht. Ab Ende des 18. Jahrhunderts gibt es dann die ersten Karten, die diese Annahmen erleichtern sollen.(15g)(siehe oben)
1868 ist Heinrich Schliemann erstmals in Troja
1870 Erste Probegrabung.
1871 Erste Grabungskampagne von Schliemann
1872 Zweite Grabungskampagne, "Schliemann-Graben", Fund der Helios Metope
1873 Dritte Grabungskampagne, Fund des Schatzes "A", "Schatz des Priamos", Troja macht durch Schliemann Schlagzeilen.
Es folgen bis 1890 weitere Grabungskampagnen von Schliemann.
1893 Erste Grabungskampagne von Wilhelm Doerpfeld ,finanziert durch Sophia Schliemann
1894 Zweite Grabungskampagne von Wilhelm Doerpfeld finanziert vom Deutschen Reich und dem Staat Preussen
1924 Untersuchungen von Doerpfeld in der Besik Bucht auf der Suche nach dem"Schiffslager der Achaier"
1932-38 Jaehrliche Grabungskampagnen unter Leitung von Carl Blegen, Universitaet Cincinnati, finanziert von der Praesidentenfamilie Taft
1982-1987 Grabungen in der Besik-Bucht, dem Sivri- und Yassitepe, Leitung Manfred Korfmann, Universitaet Tuebingen. Finanziert durch Deutsche Forschungsgemeinschaft.
ab 1988 jaehrliche dreimonatige Sommergrabungskampagnen unter Teilnahme einer grossen Zahl von Wissenschaftlern aus vielen Laendern. Leitung Manfred Korfmann
1991 Einrichtung einer "Post-Bronzezeitgruppe" unter Leitung von Charles Brian Rose, Universitaet Cincinnati.
Zur Zeit finden weitere jaehrliche Grabungskampagnen statt.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA - DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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